Begegnungen mit Rom

Finissage im Kupferstichkabinett der Staatsliche Kunstsammlungen Dresden

In einer beeindruckenden Werkschau zeigten die Staatslichen Kunstsammlungen Dresden Stücke aus den eigenen Beständen – solche, die man sich jederzeit auch im Studiensaal vorführen lassen kann. Dazu gehörte Giuseppe Vasis Panoramabild Roms, Stadtpläne sowie die berühmten »Carceri« Giovanni Battista Piranesis und Karikaturen Pier Leone Ghezzis. Letztere wurden schon am Sächsischen Hof druckgraphisch reproduziert – die Ausstellung stellte Original und Druck gegenüber.

Während Giuseppe Vasi in seinem Panorama dem Rombesucher mehrere hundert Sehenswürdigkeiten präsentiert und diese auch gleich – in Tagestouren unterteilt – zur Besichtigung vorschlägt, spielte der Architekt Piranesi mit dem Bild der Realität. So gibt es nicht nur von den »Carceri« Fassungen mit und ohne Gefangene, Tote, Leitern und Dämonen, auch seine Stadtpläne von Rom scheinen sich am Rande aufzurollen. Piranesi denkt das barocke Trompe-l’œil weiter und nimmt Elemente der Illusionistischen Malerein vorweg, bezieht den Objektträger der Kunst, den Träger seiner Stiche bzw. Drucke (also Kupfer oder Papier) in dieselben mit ein…

Am Wochenende schloß die bemerkenswerte Schau nun (es folgt »Miniatur-Geschichten. Die Sammlung indischer Malerei im Dresdner Kupferstich-Kabinett« ab dem 3. März), zuvor gab es noch einmal eine Sonderveranstaltung: am Donnerstag konnten interessierte Besucher an einer kleinen Führung von Dr. Gudula Metze teilnehmen, deren Ziel jedoch kein »Rundumblick« war, sondern die Musik der Zeit. Das Ensemble KonVersationen hatte eigens dafür Stücke zusammengestellt, welche die Begegnungen mit Rom musikalisch ausdrückten, aber auch Bezüge auf Dresden schufen. Karen Margit Ehlig (Violine) und Isolde Winter (Viloncello) spielten Werke Johann Adolph Hasses, Giovanni Benedetto Plattis und Pasuqale Anfossis. Auch Bartolomeo Campagnoli. Niccolò Jomelli und Carlo Antonio Campioni kamen zu Gehör – vermittelt in kurzen Einleitungen durch Hartmuth Schütz. Dabei ergaben sich kleine Schnittpunkte, wie einer (auf die Violine übertragenen) Arie, welche der ehemalige Dresdner Kapellmeister Johann Adolph Hasse einst für den römischen Kastratenstar Domenico Annibali geschrieben hat – auch Annibali war auf einer der Karikaturen festgehalten worden.

13. Januar 2017, Wolfram Quellmalz

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