Buntes Programm

Winterkonzert der Dresdner Bläserphilharmonie

Die 2008 (damals noch »Dresdner Stadtkapelle«) gegründete Dresdner Bläserphilharmonie vereint musikbegeisterte Menschen, die ihr Instrument jedoch nicht hauptberuflich spielen, mit einigen (ehemaligen) Berufsmusikern. Mittlerweile ist das Ensemble mächtig gewachsen und keineswegs mehr auf Dresden und Dresdner beschränkt – zu den Konzerten am Wochenende im Hygienemuseum waren Musiker, Freunde und Besucher aus dem ganzen Bundesgebiet angereist.

Was Orchesterleiter Stefan Fritzen aus dem Klangkörper mit eben doch einigen Laien und begrenzten Probemöglichkeiten hervorzaubert, vor allem hinsichtlich der Klangfarben, ist mitunter verblüffend, zumal man sich keine Repertoireschranken auferlegt. Letzteres wäre allerdings auch eine arg einengende und bremsende Hürde, denn die Literatur für Bläserphilharmonien ist durchaus nicht so reich. Statt sich auf einige herausragende Werke zu beschränken und diese allein um »virtuose Merkwürdigkeiten« (das ist durchaus im positiven Sinn gemeint) zu ergänzen, gehört das Arrangieren stets mit dazu.

Dennoch sind die Programme tendenziell stärker von unterhaltender Musik inspiriert als die »normaler« Sinfonieorchester, auch werden Genregrenzen zwischen modernen Klassikern, Filmmusik und eingängigen Bearbeitungen an einem Abend gleich mehrfach überschritten. So geriet das aktuelle Programm der Dresdner Bläserphilharmonie vor allem »bunt«, der Titel »Licht und Zeit« recht beliebig. Und nicht alles war gelungen, wie Anton Bruckners »Locus iste« gleich zu Beginn (was »Licht« und »Zeit« noch den fehlenden »Ort« hinzufügte). In der neuen Instrumentierung (Bearbeitung: Frank van Nooy) klang das Werk, das in der originalen Chorbesetzung zu schweben scheint, wuchtig und mit den übermächtigen Bässen träge.

Viel »brucknerischer« klang nach der Pause die »Bruckner Étude«, das vielleicht bekannteste Werk des Komponisten und Arrangeurs Enrique Crespo. Neben drei Trauermärschen Ludwig van Beethovens und Rainer Lischkas »Match« zeugte es – nicht nebenbei – von der in den Vortagen im Rahmen einer Posaunenakademie geleisteten Arbeit, zu der unter anderem ein Meisterkurs von Fabrice Millischer gehörte. Für Puristen waren die Werke mit vier, sechs und acht Posaunen sicher ein Höhepunkt an Klarheit und Chörigkeit der Stimmen.

Fabrice Millischer war auch gefeierter Solist des Abends in Søren Hyldgaards »Rapsodia Borealis«, einem virtuosen Zungenbrecher, den er aber spielerisch und – in einem Liedteil mit ausgewachsener Kadenz – sehr kantabel vortrug, wofür es vom Dirigenten ein deutliches »Bravo!« gab. Stefan Fritzen hat es selbst zu Meisterehren als Soloposaunist gebracht, sollte also am besten wissen, was da geleistet wurde.

Die Kompositen des Abends, zu denen neben Tan Dun auch der anwesende Rolf Rudin gehörte, zeigten: die Dresdner Bläserphilharmonie war nicht gestern, sie ist heute, der neuen Musik zugewandt, was nicht zuletzt eine Bereicherung für alle sein dürfte, welche die Programme aktiv erarbeiten. Und nicht alles ist »Blech«: mit Flöten, viel Schlagwerk und einer Harfe zeigte sich die Bläserphilharmonie vielseitig und wandelbar.

5. Februar 2017, Wolfram Quellmalz

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