Gedenken als Wurzel für neues

Konzert der Philharmonie für Kurt Masur

Vor drei Jahren wurde die Kurt Masur Akademie, die Orchesterakademie der Dresdner Philharmoniker, erdacht und beschlossen. Kurt Masur war damals noch beteiligt und gab den Verantwortlichen die Erlaubnis, dies in und mit seinem Namen zu tun. Nach der Zeit des Aufbaus läuft seit heute das Auswahlverfahren – für die ersten sieben Akademieplätze (künftig sollen es mehr werden) haben sich 293 Studenten aus der ganzen Welt beworben. In Kooperation mit der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden sollen junge Spitzenmusiker in Dresden die Praxis des Orchesters näher erfahren, den Konzertalltag kennenlernen, ihre Studien aber gleichzeitig fortsetzen. Dabei reißt der »Faden« zur Philharmonie nicht ab – die Ausbildung an der Hochschule wird durch Orchestermitglieder mit Lehrauftrag unterstützt.

Zu Beginn des Gedenkkonzertes am Sonntagvormittag im Schauspielhaus gab es einen Film: »Kurt Masur – Sehnsucht nach Offenbarung« zeigt den Dirigenten in den letzten Jahren bei der Arbeit mit dem Nachwuchs. Er habe, so Masur, zunehmend festgestellt, daß die Ausgewogenheit von Dirigenten und Musikern in Gefahr gerate, deshalb hielt er es für angebracht, mit seinen Erfahrungen beizutragen, das Gleichgewicht wieder herzustellen. Aus der Vergangenheit zu lernen, um für die Zukunft gerüstet zu sein, war einer der Leitgedanken Masurs, der sich ebenso auf andere Gebiete als die Musik oder das Dirigieren übertragen läßt. Nur wer glücklich und in Frieden lebe, könne auch Probleme lösen – noch ein Credo Masurs.

Der Film zeugt von einer bis zum Schluß ungebrochenen Schöpferkraft und dem Willen zur Gestaltung. Dabei hatte er den Endpunkt noch gar nicht gesetzt, wie Tomoko Masur, seine Frau, in ihren Begrüßungsworten erzählte. Im Gegenteil, es habe noch weitere Projekte gegeben, welche das Ehepaar gerne gemeinsam umgesetzt hätte. Kurt Masur habe bis zuletzt den Eindruck vermittelt, »unterwegs« und noch nicht »angekommen« zu sein. Zuversicht, Vertrauen und eine dezidierte Auseinandersetzung mit der Orchesterarbeit – gute Leitbilder für eine Akademie.

Die Philharmonie gab unter der Leitung von Michael Sanderling einen musikalischen Einblick in ihre Arbeit. Zwischen den Abendkonzerten mit Weber, Rachmaninow und Schostakowitsch erklangen am Sonntagmorgen Ludwig van Beethovens 1. Sinfonie sowie das Violinkonzert Peter Tschaikowskis.

Beethoven gehört zum prestigeträchtigen Aufnahmeprojekt der Philharmoniker, welche sämtliche Sinfonien von Beethoven und Schostakowitsch einspielen. Michael Sanderling blieb seiner schlanken Interpretation treu, fand vor allem Andante cantabile con moto zu großer, farbenfroher Leichtigkeit. Im Violinkonzert spielte – passend zum Nachwuchsgedanken – die junge Geigerin Lara Boschkor die Hauptrolle. Elegant, sauber und singend interpretierte sie Tschaikowski, Michael Sanderling kam ihr mit ebenso eleganten Orchesterfarben entgegen, so daß sich selbst kurze Duette klar herausbilden konnten. Fein und zart zeichnete Lara Boschkor die Kadenz des ersten Satzes, bewies aber gleich danach in der Zusammenführung mit dem Orchester, daß sie auch energisch zuzupacken versteht. Besonders schön und erzählerisch gelangen Solistin und Orchester die Canzonetta – nein, Tschaikowski muß nicht immer mit hervorgebürsteter Virtuosität beeindrucken! Den Wirbel des Finales meisterte Lara Boschkor gleichwohl mit Bravour.

Tip: Die Kurt Masur Akademie wird sich am 12. November mit einem Portraitkonzert auf Schloß Wackerbarth vorstellen.

13. März 2017, Wolfram Quellmalz

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