Von wegen Ferien!

Landstreicherorchester schließt Projektwochen mit Konzerten ab

Man könnte denken, daß Schüler mit dem letzten Schultag des Jahres die Schultasche in die Ecke werfen und entweder mit den Eltern wegfahren oder sich ausschließlich mit Eistüten und Badesachen beschäftigen – weit gefehlt! Nicht nur in Bibliotheken wurden sie gesichtet, eine ganze Gruppe von über 40 Jungen und Mädchen zwischen zehn und vierzehn Jahren fuhr mit Noten und Instrumenten ausgestattet ins Bildungs- und Begegnungszentrum Schloß Trebnitz. Es war nicht zum ersten Mal – seit 2001 verbringen junge Musikerinnen und Musiker jeweils Projekttage auf dem Lande, und da sie alle Streichinstrumente spielen, nennen sie sich passenderweise »Landstreicher«.

Wolfgang Behrend als Dirigent und Leiter ist sehr erfahren mit dem Orchesternachwuchs, arbeitet regelmäßig mit dem Jungen Sinfonieorchester des Sächsischen Landesgymnasiums oder der Musikschule Sächsische Schweiz. Für die Proben (täglich etwa fünf Stunden) der Instrumentengruppen (und darüber hinaus) kann er auf die Unterstützung von fünf Dozenten zählen sowie auf die Arbeit von Betreuerinnen.

In zwei intensiven Wochen lernten die Teilnehmer die Orchesterarbeit in ihrer Vielfalt kennen, fanden zu einem harmonischen, homogenen Gesamtklang, wurden aber auch mit aufführungspraktischen Dingen vertraut gemacht. Anders als bei einem permanenten Orchester, das festgesetzte Stellenzahlen für 1. Violinen, 2. Violinen, Violen etc. hat, gibt es zum Beispiel einen »Überhang« der Violinen. (Was man von den professionellen Musikern kenn: viele der Bratschisten haben ihre Liebe zum Instrument erst im Studium entdeckt. Nils Mönkemeyer ist ein prominentes, aber nicht das einzige Beispiel.) Die »Langstreicher« um Wolfgang Behrend haben sich auf diese Situation eingestellt und eine dritte Violingruppe eingeteilt, die gemeinsam mit den Violen deren Stimme spielt.

Am Donnerstag und Freitag konnten sich Eltern und Neugierige von den Ergebnissen der 16. Projektwochen überzeugen, Aufführungsorte waren die Inselkirche Hermannswerder und die St.-Pauli-Theaterruine. Das Dresdner Konzert zeugte ebenso von der hohen Qualität und Ernsthaftigkeit des jungen Orchesters wie von der Freude, mit der hier musiziert wurde. Ganz ausgeprägt konnte man verfolgen, daß auch dieses Orchester schon organisiert ist und nicht vom Dirigenten allein geleitet wird, sondern daß Stimmführer über ihre Soli hinaus eine hierarchische Funktion haben.

Gespielt wurden Werke aus unterschiedlichen Epochen von Georg Matthias Monn (18. Jahrhundert), Antonin Dvořák (19.) sowie Witold Lutosławski und John Rutter (20.). Höhepunkt war aber Antonio Vivaldis Cellokonzert a-Moll (RV 422) mit der ehemaligen Landstreicherin Friederike Kollmar als Solistin, deren farbenreiches, klares Spiel beeindruckte. Ganz besonders gelang das Largo – nicht ohne Grund sagt man dem Cello eine Nähe zur menschlichen Singstimme nach.

Für ihr Konzert erhielten die »Landstreicher« viel Applaus und bedankten sich mit einer gewitzten, ausschließlich pizzicato gespielten Zugabe: »Pling Plang Plong« von Leroy Anderson.

Schon im September wird es die nächsten Konzerte der diesjährigen Landstreicher auf Schloß Colditz und in Chemnitz geben. Und für das 17. Projekt 2018 steht die Solistin bereits fest: es wird die aktuelle Konzertmeisterin Anna Quitzke sein.

8. Juli 2017, Wolfram Quellmalz

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