Konzertwerkstatt Dresden

Chorsinfonisches Projektwochenende endet mit Konzert in der Lukaskirche

Die Dresdner Lukaskirche war erneut Heimstätte für ein musikalisches Projekt mit ambitionierten Laienmusikern. Wie schon bei den »Notenschätzen« vor einem Monat ging es darum, anspruchsvolle Literatur in zwei intensiven Tagen zu erarbeiten. Die Ambition der Musikerinnen und Musiker, die aus Tschechien und Deutschland stammten, beschränkte sich jedoch nicht auf die in Dresden verbrachten Stunden. Ohne eine entsprechende Vorbereitung der Stücke durch jeden Einzelnen wäre das Programm gar nicht zu bewältigen gewesen, Gesangssolisten wie Stimmführer waren Berufsmusiker. Das Konzert folgte mit Werken von Felix Mendelssohn, Antonín Dvořák und Leoš Janáček dem Thema »Musikalische Gebete« – im Mittelpunkt stand also das Wort.

»Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser« gehört zu Felix Mendelssohns schönsten Kompositionen. Ungemein hell und dem Leben zugewandt erklang das Werk, dem Marie Hänsel (Sopran) die Verinnerlichung und Ruhe eines Gebetes verlieh. Zur Helligkeit trugen aber ebenso der Chor und die Violingruppe bei. Gerade die Soprane bewiesen in der Begleitung der Solistin (Aria con coro) besondere Geschmeidigkeit.

Mag Mendelssohns Psalmvertonung noch vielen Besuchern bekannt gewesen sein, so bekommt man Antonín Dvořáks »Biblische Lieder« (im Original mit Klavierbegleitung) weit weniger oft zu hören. Und dennoch sind gerade sie eine Offenbarung, erst recht in den leuchtkräftigen Orchesterfassungen von Antonín Dvořák und Vilém Zemánek. Man hätte kaum eine bessere Besetzung als Altistin Aneta Petrasová verpflichten können! Mühelos konnte sie die Worte mit Leben füllen und wußte ihren stimmlichen Glanz samten einzubringen. Das Orchester (Leitung: Michael Käppler) bewies – wie schon bei Mendelssohn – daß es in der kurzen Zeit ein bemerkenswertes Verständnis für das Werk gefunden hatte. Zwar werden gerade Dvořáks orchestrierte Lieder von vielen Bläser- und Harfensoli (Aline Khouri) aufgelockert und angereichert, doch als Farbtupfer allein fungieren diese eben nicht. Es bedarf vielmehr eines Instrumentalensembles, das tragend wirkt, so daß Stimme und Soli eine verläßliche Basis haben, auf die sie sich stützen können. So galt – ganz dem Thema gemäß – der Schwerpunkt auch bei den Biblischen Liedern dem Wort, nicht den musikalischen Effekten.

Während Dvořáks Stücke zumindest ausschnittsweise hier und da zu hören sind, dürfte Leoš Janáčeks »Vater unser« für die meisten neu gewesen sein. Es lohnte, hier den Text zu verfolgen, der sich in der deutschen Übertragung nicht exakt mit dem gewohnten Wortlaut des »Vaterunsers« deckt, schon deshalb, weil Janáček die Zeilen in Strophen aufgeteilt und sie dem Chor (vor allem den auf »unser« bezogenen Textpassagen) und dem Solisten zugewiesen hat. Tenor Ondřeij Koplík intonierte das Bekenntnis ruhig, aber auch emotional und kraftvoll, im Sinne einer Hinwendung und Bitte. Doch nicht weniger markant war der Chor, der eine für einen Projektchor erstaunliche Einigkeit erzielt hatte (Vorbereitung: Luboš Hána).

2. Oktober 2017, Wolfram Quellmalz

Tip: Auch im kommenden Jahr (26. bis 28. Oktober) wird es eine Konzertwerkstatt geben. Das Programm ist dann mit Ludwig van Beethovens Phantasie für Klavier, Chor und Orchester sowie der Messe C-Dur nicht weniger ambitioniert. Anmeldungen können ab 1. Dezember unter http://www.konzertwerkstattdresden.de abgegeben werden.

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