Mit feinem Pinselstrich und üppigen Farben

Staatskapelle und Alan Gilbert mit Mozart und Strauss

Im dritten Sinfoniekonzert der Staatskapelle trafen zwei der »Hausgötter« aufeinander: Wolfgang Amadeus Mozart und Richard Strauss. Auch wenn die Werke beider (Mozarts Klavierkonzert Nr. 23 A-Dur / KV 488 und Strauss‘ Sinfonia domestica) zeitlich und nach Epochen weit voneinander entfernt sind und ganz unterschiedlichen Gattungen angehören, stammen sie doch von Komponisten, deren Schaffen gerade im Bereich der Oper nicht nur für die Kapelle maßgeblich ist. Der eine Konzertbesucher mochte so vielleicht der Nähe zum »Figaro« nachsinnen, der andere hörte das resümierende »Jaja« der Marschallin aus dem Rosenkavalier-Finale in der Sinfonia durchschimmern, der dritte war einfach nur beglückt ob solcher Musik.

Mozarts Klavierkonzerte werden häufig wegen ihrer klassischen Proportionen und Schönheit gerühmt und nicht nur als Vergleichsmaß für Oper und Schauspiel genommen, sondern oft auch mit Bildkompositionen oder literarischen Werken ins Verhältnis gesetzt. Legt man allein die Farbdichte zugrunde, begann der Abend jedoch beinahe nüchtern, nicht nur wegen der etwas trockenen, fast harten Akkorde, die Pianist Yundi dem Flügel (oder war es umgekehrt?) entlockte. Es zeigte sich aber, daß er wohl vor allem eine feine Nuancierung im Sinn hatte, eine gezügelte Emotionalität. Alan Gilbert stellte ihm dafür die entsprechende Orchesterpalette zur Verfügung, die pastellen und mit Federstrich für Schattierung und die Filigranität einer Radierung sorgte. Gerade im Adagio erwies sich Yundi als Lyriker, forschte den Silbe des zweiten Satzes mit Delikatesse nach. Weich, mit satter Klangfülle folgte ihm das Orchester, wenn es zum Beispiel nach der Kadenz im Allegro wieder einsetzte, mahnte sacht (Fagott), umspielte zart den Solisten (Flöte) oder sorgte für Farbtupfer (Klarinette, Horn). Das vermeiden übermäßiger Effekte tat so wohl wie die fehlenden Manierismen Yundis. Oder hatte ihm am Ende doch etwas emotionale Vertiefung gefehlt? Denn auf eine Zugabe verzichtete er (zumindest am Sonnabend) leider – schade!

Der zweite Konzertteil gehörte nun Richard Strauss Sinfonia Domestica, und hier zauberte Alan Gilbert ganz ungeheure Farben hervor. Nicht deckend und satt, sondern luftig, frisch, ungeheuerlich! Das wirkte ungemein belebend, denn das Stück ist gerade NICHT durch die thematische Verarbeitung eines musikalischen Materials gekennzeichnet. Vielmehr erwies sich Strauss‘ Sinfonia als Füllhorn von Figuren und Charakteren, die Gilbert über die (Opern-)Bühne wirbeln ließ. Spukhaft, schalkhaft, lebhaft schienen sie sich zu überbieten, »Mozarts Graviernadel« hielt der Dirigent aber wohl noch in der Hand und vermied einen zu dicken Farb- bzw. Klangauftrag.

So traten – auch ohne Sänger – allerlei Solisten auf, parlierten Klarinette und Oboe (im Zwiegespräch, traten die Konzertmeister der Violinen und Violoncelli hervor… Charmant, charmant, so kann man auf Reisen gehen!

12. November 2017, Wolfram Quellmalz

Ab Mittwoch befindet sich die die Staatskapelle mit Alan Gilbert und Yundi auf einer Gastspielreise durch China.

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