Japan – Armenien – Deutschland

Zeit- und Länderreise des Universitätsorchesters Dresden

Am Sonntag startete das Universitätsorchester Dresden ins neue Konzertjahr, in dem man sich, so Leiter Filip Paluchowski vor Beginn, vor allem japanischen Werken zuwenden wolle. Wie ernst das gemeint war, konnten die Besucher in der Lukaskirche gleich erleben, denn »Bugaku« von Toshiro Mayuzumi (1929 bis 1997) ist kein kleines »Häppchen«, sondern ein ausgewachsenes Konzertstück, eigentlich sogar ein Ballett. Darin gelang dem Komponisten ein doppelter Brückenschlag: er griff einen Stoff der shintoistischen Mythologie auf, also eine bis ins 5. Jahrhundert zurückführende Tradition, spiegelte die klassischen japanischen Elemente aber nicht nur in seinem eigenen Jahrhundert, sondern übertrug sie auch auf europäische Instrumente der Jetztzeit – Musik für Entdecker war dies, auf beiden Seiten des Podiums, wozu Filip Paluchowski ausdrücklich eingeladen hatte.

Es zeichnet seine Arbeit aus, daß das aus Laien bestehende Universitätsorchester nicht nur die »großen« Werke spielt (was nach der Pause mit Johannes Brahms‘ dritter Sinfonie ebenfalls geschah), sondern sich immer wieder neue Stücke erarbeitet und junge Solisten einlädt. In dieses Bild paßte Mayuzumis Ballett hervorragend. Über einem ostinaten Rhythmus erfährt es einen stetigen Wandel des Motivs, Charakter und Ausdruck werden dabei fast ausschließlich durch die Instrumentierung und Spielweise geändert (ähnlich, wie man es von Ravels »Boléro« kennt), also ohne zu beschleunigen oder zu verlangsamen. In zwei Sätzen, wobei der sich zweite aus vier ausgeprägten Teilen zusammensetzt, beginnt die Musik mit wenigen Streichern, Glissandi und Dissonanzen. Von hier ließ sich das wiederkehrende Motiv auf dem Weg durch das Orchester verfolgen, wo es in immer neuen Klangkombinationen auftauchte. Nicht selten aber spielten die Gruppen der Streicher oder Bläser »gegeneinander« – Hut ab, daß sie nicht wirklich durcheinanderkamen! Immer wieder fand man sich als Zuhörer dem stetig neu formulierten Motiv gegenüber, das mal durch die Cellogruppe betont wurde, sich dann wieder in Klavier, Schlagwerk oder Flöten wiederfand – diese Entdeckung war gelungen.

An zweiter Stelle folgte Alexander G. Arutjunjans Trompetenkonzert As-Dur, das innerhalb der Instrumentengattung recht bekannt ist. William MacDonald, Jungstudent aus Dresden, trat hier als Solist auf und führte einen Wandel auf der Trompete vor, die weit mehr vermag als Fanfaren anzustimmen. Mit Brillanz und im Dialog mit anderen Orchestermusikern (incl. Harfe) brachte er die klassischen Elemente blitzsauber hervor, dazwischen erklang das Meno mosso mit Dämpfer jazzig weich – so romantisch ging es eben auch!

Und dann wurde es noch einmal ganz sinfonisch. Vor allem die Mittelsätze der Sinfonie F-Dur ließen mit feinen Farbspielen Brahms‘ Kühnheit durchschimmern (Andante) und schwärmerisch-wehmütige Stimmung aufkommen (Poco allegro). Nicht nur das Publikum in der gutbesetzten Lukaskirche dürfte da höchst zufrieden gewesen sein!

29. Januar 2018, Wolfram Quellmalz

Tip: Gleich am kommenden Sonntag gibt es wieder die Gelegenheit, Musiker des Universitätsorchesters zu erleben. Unter dem Titel »Empfindungen« erklingen dann Werke von Toru Takemitsu, Bohuslav Martinů und Ludwig van Beethoven in kammermusikalischer Besetzung. (4. Februar, 17:00 Uhr, Lukaskirche)

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