Liebesweh- und Liebesleid

Dresdner Hofmusik zwischen Zorn und Glück

»Ergötzlichkeiten zu rechter Zeit« hatte die Dresdner Hofmusik das Programm genannt, das Musik und Texte (nicht nur) zum Valentinstag zusammenband. Am Sonnabend gaben Wolfram Lattke (Tenor), Stefan Maas (Laute) und Susanne Stahl (Lesung) einen intimen Abend im Zeichen der Liebe in der Kulturkirche Weinberg Trachenberge (Weinbergskirche). Die Texte der Lieder, Gedichte und Erzählungen berichteten dabei von Liebesweh und -leid, Trotz, dem Glück der Erfüllung, aber auch dem Frohsinn (oder Zweckoptimismus?) angesichts vergangener oder unerwiderter Liebe.

Neben so zugkräftigen Namen bekannter Meister wie Heinrich Schütz, Georg Friedrich Händel oder Girolamo Frescobaldi, mit denen gleich zu Beginn Smaragde und Rubine, Lilien und Rosen unter die Zuhörer gestreut wurden, waren es gerade die Lied- oder Kirchenkomponisten David Kellner, Heinrich Albert sowie Johann Philipp Krieger und Adam Krieger, die vom Glück oder der Bedrückung einer Seele berichteten. Wolfram Lattke malte dies mit klarer Diktion und großem Einfühlungsvermögen aus und schwang sich zuweilen in musikalische Höhen. So in Marco Antonio Cestis »Tu mancavi a tormentarmi« (Willst du mich weiterhin peinigen), das mit fast opernhafter Dramatik aufwartete, oder in Heinrich Alberts »Exulet a casto pectore vanus Amor!« (Liebe, die du mich besessen), das die »Freiheit« geradezu hymnisch steigerte.

Nein, es waren nicht nur Liebesglück und Liebeserklärungen, die das Publikum zu hören bekam, sondern ebensoviel Leid und Vergänglichkeit, wobei sich die Dichter hier durchaus uneinig waren. Während Simon Dach (in der Vertonung von Heinrich Albert) die Liebe noch dauerhafter als Erz und Eisen, Stahl und Stein sah, erzählte Frescobaldis Arie »Così mi disprezzate?« (Endlich versprachst du) etwas boshaft von der Vergänglichkeit »der roten Wangen Pracht«, die »schneller noch als der Lenz« verbleichen.

Der Verlust ist aber manchmal auch das Resultat des Todes, der ein liebendes Paar auseinanderreißt, wie in Heinrich Schütz‘ Klage »Mit dem Amphion zwar« – da tat es wohl, im Anschluß bei einem nicht besungenen Stück wieder zur Ruhe zu kommen. Zweimal schlug Stefan Maas, der sonst als kongenialer Duopartner auftrat, zwischen den Texten mit kaum weniger intimer, dennoch brillanter Renaissancemusik von David Kellner und Silvius Leopold Weiß den anmutigen Bogen einer Brücke zwischen Inseln der Liebe.

Diese, zeigte sich, ist höchst subtil und individuell, und doch gibt es bestimmte Situationen und Erfahrungen, die sich scheinbar immer wieder einstellen. Susanne Stahl betrachtete sie mit fünf Texten aus unterschiedlichen Jahren »Die Kunst des Liebens« (Erich Fromm) ein wenig akademisch, als fabuliertes Märchengleichnis(»Das Liebespaar« von Hans Christian Andersen), beschwor »Liebe und Wollust« (Franz Grillparzer) in glühenden Versen, denen die stolzen, Beobachtungen einer Pariserin (»Kleine Praktiken aus Saint Germain«, Anna Gavaldas), nicht frei von Selbstgefälligkeit, folgten – manche Betrachtung kann in die Irre führen. Robert Walser sah die Liebe als (erlernbare) Kunst und befreite sie von manchen Zwängen – oder nicht? Zumindest fand sein »Liebespaar« mit einem Kuß der Erfüllung ein gutes Ende.

Dieses war durch die titelgebenden »Ergötzlichkeiten zu rechter Zeit« (Adam Krieger) auch dem musikalischen Programm beschieden.

Mit »Der Liebe Macht beherrscht Tag du Nacht« (Nun sich der Tag gewendet hat) des gleichen Komponisten als Zugabe entließen Wolfram Lattke und Stefan Maas ihr Publikum in positiver Stimmung mit einem Nachgesang.

18. Februar 2018, Wolfram Quellmalz

Tip: Familienkonzert am 9. März 19:30 Uhr im Landhaus. Das Jugendsinfonieorchester spielt Werke von Johann David Heinichen, Antonio Vivaldi und anderen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Verbinde mit %s