Nachtrag: Internationales Kinderchorfestival Dresden

Abschluß in der Frauenkirche mit Uraufführung

»Brücken bauen, gemeinsam singen« heißt es seit 2006 alle zwei Jahre beim Internationalen Kinderchorfestival Dresden. Die Brücken werden in viele Richtungen und zwischen manchen Inseln gebaut, verbinden Länder und Kontinente, überspannen die Zeiten zwischen gestern und heute, bringen Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen. »Südafrika…«, »Armenien…« und »Kanada zu Gast« hieß es in Löbtau (Friedenskirche), Freital-Deuben (Christuskirche) und Weixdorf (Pastor-Roller-Kirche), womit sich drei der angereisten Chöre vorstellten und gemeinsam mit Gastgeberchören auftraten. Ein Konzert mit Dresdner Schulchören und ein Symposium im Kulturpalast sowie Begegnungskonzerte (Christuskirche Strehlen) folgten. Auch ein Projektchor aus Südafrika gehörte zu den Teilnehmern, Hauptgastgeber war der Philharmonische Kinderchor Dresden.

Am Dienstag gingen sechs intensiv erlebte Tage mit dem Abschlußkonzert in der Frauenkirche zu Ende. Die Chöre für Kinder und Jugendliche sind dabei verschieden. Manche haben dezidiert die Nachwuchsförderung zum Ziel – für sie sind Auftritte und Gastspielreisen selbstverständlich. Anderen rücken das gemeinsame Singen (= Erleben) in den Mittelpunkt, das Tipfuxeni Youth Project wiederum verfolgt das Ziel, soziale Probleme von Kindern und Jugendlichen in Südafrika zu mindern bzw. zu vermeiden, sie von der Straße zu holen. Der Chor ist ein wichtiger Bestandteil des Projektes. Daß Engagement und Begeisterung dazugehören, konnten die Zuhörer am Dienstag im Konzert erleben. Mit Gesang, Tanz und Trommeln – viel Rhythmus – dürfte es die mitreißendste Darbietung gewesen sein.

Doch auch der Tutarchela Choir Georgien begeisterte mit »Tres Cantos Nativos«, das durch Fingerschnippen, Klatschen, Stampfen und Pfeifen ebenfalls einen lebendigen, farbenfrohen Puls einschließt. Wie die meisten Chöre (außer dem Philharmonischen Kinderchor) brachten sie außerdem heimatliche Klänge mit. Die »Little Singers of Armenia« beeindruckten mit klarer Polyphonie und viel Klangsinn in Giovanni Battista Pergolesis »Quando Corpus« aus dem »Stabat mater«, während Shumayela (Kanada) neben zeitgenössischen amerikanischen Kompositionen auch eine Gloria-Vertonung Antonio Vivaldis darbot. Der gastgebende Philharmonische Kinderchor hatte nach der gemeinsamen Eröffnung (Festival Sanctus, John Leavit) mit Werken Ola Gjeilos, Nancy Telfers, Romualds Jermaks und James Mulhollands Brücken nach Norwegen, Canada, Litauen und Amerika gespannt und mit seiner Artikulation überzeugt. Ganz besonders beeindruckten in Intonation und einfühlsamer dynamischer Gestaltung die Gäste aus Serbien: der Children’s Choir Zvezdice brachte vier Lieder aus Serbien und Kroation in besonders ruhiger Weise (u. a. ein Wiegenlied) zu Gehör.

Bei fünf Chören und annähernd 250 Beteiligten gab es einige Umstellpausen, die jedoch nicht zu langen Wartezeiten führten, zumal diese von Pascal Kaufmann mit passenden Intermezzi auf der großen Orgel überbrückt wurden.

Abschluß und Höhepunkt des Abends war noch einmal ein gemeinsamer Auftritt – selten dürften so viele Menschen im Altarraum der Frauenkirche vereint sein wie an diesem Abend! Extra für den Anlaß hatte Christoph J. Hiller die »Reise des stillen Gedankens« komponiert, eine Ballade mit verteilten Stimmen und Schlagwerken, deren Uraufführung den Abend krönte. Das zuletzt folgende »Dona nobis pacem« dirigierte Gunter Berger dann auch für alle Besucher zu Mitsingen.

2. Mai 2018, Wolfram Quellmalz

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