»Sternlein« zum Semesterschluß

Universitätschor verabschiedet sich in die Sommerpause

Dem letzten Konzert des Universitätschores am Sonnabend in der Martin-Luther-Kirche hatte seine Leiterin Christiane Büttig den Titel »Das Sternlein« gegeben. Gerade angesichts des hübschen Diminutivs mag mancher etwas Positives, vielleicht Romantisches erwartet haben wie blinkende Sterne in Sommernächten, doch stehen Sterne ebenso für Vergänglichkeit. Im astronomischen Sinne, wie bei jenen Gebilden, deren Licht wir noch sehen, obwohl sie längst verloschen sind, aber auch im Hinblick auf die Endlichkeit des Lebens. Manche Lieder hatten etwas Betrübliches und Beklemmendes, weil Dichter und Tonsetzer nicht nur entsprechende Textzeilen schufen oder in Noten setzten, sondern weil sie selbst betroffen waren, einen geliebten Menschen verloren hatten. Beides – Hoffnung spendendes Lichtsymbol und irdisches Ende – ist letztlich untrennbar verbunden.

Das Programm war ohne Pause in drei Abschnitte gefaßt, welche den Verlust, die Auseinandersetzung mit dem (unvermeidlichen) eigenen Sterben und die romantisch gefaßte Abendstimmung ins Zentrum rückten. Dabei bewährte sich der Chor wieder einmal frappierend im Umgang so vollkommen unterschiedlicher Texte und Sprachen. Neben Deutsch und Englisch gehörten diesmal estnische Verse dazu.

Gleich mit Max Regers titelgebendem »Das Sternlein« und Johann Kuhn aus »Blicklos und stumm« wurde der Verlustgedanke, aber auch die Untrennbarkeit der Themen unmißverständlich klar. Denn die Tragik ist gerade bei Reger mit einem hellen, dennoch frohen Klang verbunden, während sich Kuhnaus Lied bis zu einem Nach-Ruf steigert. Mit großer Klarheit und Konzentration fokussierte der Chor auf den Inhalt und machte gleichzeitig die Vielschichtigkeit deutlich. Dabei beeindruckte er nicht allein mit Homogenität, sondern mit der ausgewogenen Stimmstärke der einzelnen Gruppen. Zu welch umfassender Gestaltung er in der Lage ist, zeigte nicht zuletzt Henry Purcells »Hear my prayer, O Lord«, das aus nur zwei Liedzeilen besteht, die aber über Wiederholungen immer eindringlicher gesteigert wurden.

Mit Johannes Brahms (Warum ist das Licht gegeben den Mühseligen?), Cyrillus Kreek und Felix Mendelssohn folgten im zweiten Teil Lieder, die sich auf geistliche Texte, meist Psalmen, stützten. Auch hier unterstrichen die Mittel den Inhalt. Allein das bei Brahms mehrfach wiederholte »Warum?« bot alle Kontraste von Licht und Schatten. Mendelssohns »Richte mich, Gott« wiederum begann mit einem demütigen, doch selbst-bewußten Ich, dessen Gottvertrauen schließlich hymnisch zum Licht führt.

Ilja Panzers »Sometimes I wish« mit seiner rhythmischen, teils gospelähnlichen Musik, führte zum abschließenden Teil über, der vor allem Abend- und Wiegenlieder, aber auch zwei der Galgenlieder Christian Morgensterns (Vertonung: Harald Banter), darbot. Immer wieder brachte Christiane Büttig die Stimmgruppen beeindruckend im Kanon oder kontrastierend zur Geltung und zeigte im »Abendlied« Matthias Claudius‘ (Satz: Adolf Seifert), wie sinnig unterschiedlich die sieben Strophen interpretiert werden können.

Jack Hallorans Traditional »Witness« (Zeugnis) als Wiederholung schloß den Abend. Für die nächsten Konzerte wird der Universitätschor auf Radtour durch Sachsen gehen.

8. Juli 2018, Wolfram Quellmalz

weitere Informationen unter: unichor-dresden.de/

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