Der Herbst kommt mit einem Nachklang des Spätsommers

Meisterkonzerte haben mit einem »Moritzburger Gast« begonnen

Benjamin Beilman beeindruckte die Besucher des Moritzburg Festivals schon bei seinem ersten Auftritt vor zwei Jahren – in diesem Sommer kehrte er wieder. Er war noch besser geworden, konnte man feststellen, noch ausgewogener, noch sicherer, auch als Primarius von Quartett und Oktett spitze. Insofern war das erste der Meisterkonzerte am gestrigen Freitag für Moritzburg-Freunde ein Muß, denn nun kehrte der Amerikaner wieder an die Elbe, es war sein Dresden-Debüt. An seiner Seite die Berliner Pianistin Danae Dörken. Sie wiederum war nicht zum ersten Mal hier, mancher hatte vielleicht noch ihren Auftritt bei den Musikfestspielen im vergangenen Jahr im Gedächtnis.

Doch so recht wollte die Paarung des sensiblen Violinisten und der packend zugreifenden Pianistin nicht passen. Zumindest Ludwig van Beethovens Frühlingssonate ließ keine zarten Frühlingsgefühle aufkommen – Dörkens Impetus hätte wohl für das fünfte Klavierkonzert in einem großen Saal gereicht, hier war es schlicht zu viel. Und brachte wohl auch Benjamin Beilman dahin, forcierter, dynamischer zu spielen (zumindest als es der Kritiker gewohnt war). Daß Beilman dennoch intonatorisch sicher war und lerchenhaft zu singen vermochte, verstand sich von selbst. Hauchzart und versunken gelang das Adagio, während sich in das Jubilieren des Rondeaus erneut zunehmend Forciertheit und Härte mischten.

Edvard Griegs zweite Violinsonate verpaßte Benjamin Beilman den herben Charme des Nordens, wie nebenbei plauderte nun das Klavier, während Beilman auf der tiefsten Saite »stehend« eine Weite eröffnete. Emphatisch steigerten sich beide Musiker in das Werk, fanden darin Wehmut und frohgelaunten Übermut. Hier nun durfte das Klavier »toben«: Henning Kraggerud, auch einer der Moritzburg-Gäste, hat das Werk vor einigen Jahren klug bearbeitet – den Klavierpart wohlgemerkt – und ein Konzert daraus gemacht (erhältlich bei Naxos).

Ein kurzes Intermezzo gab es nach der Pause mit Robert Schumanns Adagio aus der F.A.E.-Sonate, die er gemeinsam mit Johannes Brahms und Albert Dietrich geschrieben hatte. (Dietrich stammte übrigens aus einem Dorf bei Meißen – wäre das kein Grund, ihn hier einmal zu spielen?) Das kleine Stück bereitete den wohl größten Zauber des Abends und leitete direkt in Johannes Brahms‘ dritte Violinsonate über.

In d-Moll hatte der Komponist den Sommer verpackt, den Benjamin Beilman und Danae Dörken nun aufglühen ließen. Wunderbar gesungen war das Lento assai, doch wurde Brahms – wie Beethoven – oft vom Anschlag des Klavieres übertönt. Den Charme der Musik gab es erst, aber nicht ganz bündig zum übrigen Programm, in den Zugaben mit Fritz Kreislers »Liebesleid«.

27. Oktober 2018, Wolfram Quellmalz

Übrigens: wer im Nachklang noch das Radio anstellte, konnte dort auf dem NDR das Finale des Joseph-Joachim-Violinwettbewerbes hören. Gewonnen hat der Kanadier Timothy Chooi. Nanu, Chooi? Kennen wir doch – er war 2014 beim Moritzburg Festival dabei.

Nächstes Meisterkonzert: Am 7. Dezember spielt das Clair Obscur Saxophonquartett Werke von Rossini, Mozart und anderen https://www.moritzburgfestival.de/de/meisterkonzerte-aktuell.html

Schreiben Sie einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Verbinde mit %s