Konfessioneller Brückenschlag

Chor der Frauenkirche musizierte mit Gästen

Beispiele für »wechselseitige« Kompositionen oder Aufführungen nach protestantischer bzw. katholischer Liturgie sind beileibe keine Seltenheit. Bachs h-Moll-Messe ist nur eines der bekanntesten Beispiele – betrachtet man die Musikgeschichte, finden sich etliche solche bis hin zu William Byrd oder Henry Purcell. Für uns ist es heute ganz normal, daß sich der Chor der Frauenkirche mit jenen des Fuldaer Doms gemeinsam zwei außerordentlichen Werken zuwendet: Charles Gounods Messe solennelle en l’honneur de Sainte-Cécile (Cecilienmesse) sowie Anton Bruckners Te Deum. Unterstützt wurden sie einmal mehr vom Philharmonischen Orchester Altenburg-Gera, das zu den jährlich wiederkehrenden Gästen der Frauenkirche zählt.

Charles Gounod hat seiner Messe französischen Farbenreichtum und eine fast opernhafte Dramatik beschert (was kein »Vorwurf« ist). Zwar nur mit einem Solistentrio ohne Alt besetzt (am Sonnabend Romy Petrick / Sopran, Eric Stokloßa / Tenor und Alejandro Lárraga Schleske / Baß), hindert dies gerade eine helle Tongebung aber nicht. So beginnt das Werk mit lichten Frauenstimmen (Einstudierung der Fuldaer Chöre: Domkapellmeister Hans-Peter Huber) und weich untermalenden Streichern. Frauenkirchenkantor Matthias Grünert ließ das Orchester die farblichen Schattierungen mit vielen Holzbläsern und der »Stütze« durch Orgel und Pauken differenziert ausmalen. Im Verhältnis zum großen Chor und dessen zunächst angenehmer Zurückhaltung schienen die drei vorn stehenden Solisten anfangs jedoch sehr laut. Allerdings bekam auch der Chor im Verlauf (später bei Bruckner noch mehr) sehr expressive Passagen.

Unter den Solisten fielen vor allem der geschmeidige Baß Alejandro Lárraga Schleskes auf sowie Eric Stokloßa, der nicht nur im Qui tollis mit eindringlicher Vernehmlichkeit, sprich: Vermittlung, eine tragende Rolle hatte. Bei Bruckner behielt er diese – eine Aufgabe, der er mit musikalisch hervorragender Qualität nachkam. Ebenso gefiel das Orchester, wie im Offertorium, das bei Gounod instrumental bleibt, aber selbst ohne Text deutlich der Sammlung (auch der geistigen) zuzurechnen ist.

Für Anton Bruckners Te Deum gesellte sich Britta Schwarz (Alt) zu den Solisten und vervollständigte das Quartett, das mit seiner Stimmigkeit einnahm. Während der Tenor an manchen Stellen herausgestellt ist, treten die Solisten oft gemeinsam, als Duo oder Trio auf. Trotz des teilweise gewaltigen Klangs wahrten sie dabei eine klare Ton- und Textgestaltung, ohne angestrengt zu wirken. Beeindruckend war der Wechsel ausgeprägt sinfonischer Passagen mit Glocken- und Orgelklang (teilweise von der Orgel, teilweise durch das Orchester imitiert) und gesanglich-instrumentalen Soli bis zum Konzertmeister. Aber auch den typischen Blechbläserchoral mißte man nicht.

Liest man Bruckners Aussagen und die seiner Zeitgenossen, war der beeindruckende Klang, fast schon Klanggewalt, wohl beabsichtigt, doch für den Raum der Frauenkirche hätte es durchaus etwas »kleiner« ausfallen dürfen, nicht zuletzt, weil der Chor im Crescendo natürlich an Schönheit verlor und fast schreien mußte. Momente des Beeindrucktseins gewährten beide Werke an diesem Abend auch so reichlich.

28. Oktober 2018, Wolfram Quellmalz

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