Erfrischend neu

Jahreskonzert des Jungen Sinfonieorchesters Dresden

Beethoven, hatte der Herr neben mir im Konzertsaal der Musikhochschule gesagt, dürfe man gar nicht mehr spielen, zumindest nicht das fünfte Klavierkonzert. Das würde immer so voll Pathos »geladen«, daß es nicht zu ertragen sei. Am besten man lege das Werk zehn Jahre beiseite und probiere es dann erst wieder. Doch diese zehn Jahre lagen wohl (glücklicherweise) am Montag schon hinter uns, denn mit dem Jungen Sinfonieorchester und seinem Leiter Wolfgang Behrendt hatte keinerlei Pathos (das Konzert wurde am Dienstag noch einmal gegeben). Zwar stellen gerade die Ecksätze das Heldisch-Heroische heraus, doch wußten die Schülerinnen und Schüler vom Landesgymnasium für Musik dieses auch zu beflügeln, statt nur eine kaiserliche Majestät zu betonen.

Im Mittelpunkt stand bzw. saß zunächst der Solist des Abends, Nikolaus Branny aus der Klasse von Prof. Arkadi Zenzipér und Christine Schindler. Er füllte Ludwig van Beethovens Opus 73 nicht nur mit Virtuosität aus, sondern konnte es auch mit Gestaltung beleben. So folgte auf brillante Läufe melodische Verflechtung, ließ Nikolaus Branny die Kadenz nicht nur technisch perfekt ausklingen, sondern arbeitete mit Phrasierung und Rubati, gestaltete Übergänge.

Auch das Zusammenspiel mit dem Orchester war erfrischend, wie zum Beispiel Klavier und Pizzicati der Streicher kontrastierten. Für Glanz sorgten die Bläser (der Wechsel von Hörnern und Trompeten war fabelhaft) und unterstrichen den kämpferischen Gestus. Der musikalische Eroberer Beethoven wußte aber auch mit seinem Adagio zu verführen, das hier in melodischer Schönheit und homogen vorgetragen wurde und nicht zuletzt deshalb gelang, weil hier nicht die herausragenden Spitzen beeindruckten, sondern Solist und Orchester über das ganze Werk eine erstaunliche Ausgewogenheit wahrten.

Nikolaus Branny bedankte sich für den Applaus mit kaum weniger Virtuosität und munterer Leichtigkeit mit dem »Spinnerlied« von Felix Mendelssohn.

Nachdem die Bläser bei Beethoven für prägnante Soli gesorgt hatten, wurden sie nun noch einmal erweitert – Robert Schumanns vierte Sinfonie stand nach der Pause auf dem Programm. Düster und verhangen beginnt sie, hält kurz inne – um dann um so freundlicher loszustürmen. Die verstärkten Blechbläser fachten sie nicht wenig an. Ihre Kollegen »am Holz« standen ihnen jedoch nicht nach, ob sie nun für charmante Farben oder leuchtende Facetten sorgten. Wolfgang Behrendt strich (wie von Schumann gewünscht) gerade das Sinfonische heraus, ließ die Sätze bruchlos ineinander übergleiten. Es war schon frappierend, zu erleben, wie hoch die organische Qualität des Jungen Sinfonieorchesters wieder gewesen ist. Insofern muß man allen Dozenten und Lehrern, die in Unterricht und Proben mitgewirkt haben, danken und ihnen Anerkennung aussprechen. Was hier an Homogenität und Farbe klang, war beeindruckend, der vierte Satz war ein musikalischer Sonnenaufgang!

30. Oktober 2018, Wolfram Quellmalz

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