Festlich, aber ein bißchen »ohne«

ZDF-Adventskonzert in der Frauenkirche

Das traditionelle Adventskonzert der Sächsischen Staatskapelle in der Frauenkirche bringt in jedem Jahr namhafte Dirigenten und Solisten nach Dresden. Oft solche, die gerade am Beginn einer großen Karriere stehen und bald in Produktionen an den wichtigsten Opernhäusern der Welt mitwirken. Auf Sopranistin Hanna-Elisabeth Müller (derzeit als »Zdenka« und »Marcelline« viel an der Bayerischen Staatsoper), die unter anderem Meisterklassen bei Dietrich Fischer-Dieskau und Thomas Hampson besuchte, dürfte dies ebenso zutreffen wie auf Dirigent Lorenzo Viotti, der in Dresden schon das Gustav Mahler Jugendorchester dirigiert hat. Mezzosopranistin Stepanka Pucalkova wiederum ist fest am Hause der Semperoper engagiert und in Produktionen wie »Moses und Aron« oder »Carmen« zu erleben. Mit dabei war der fabelhafte Sächsische Staatsopernchor (Einstudierung: Jörn Hinnerk Andresen); weitere Gäste, der Kreuzchor etwa oder ein Organist für die Kern-Orgel, fehlten diesmal jedoch. Überhaupt wirkte das Programm für die einstündige Fernsehübertragung am Sonntag arg angemessen bzw. knapp. Und auch wenn es schön ist, daß hier kein Weihnachts-Allerlei geträllert wird, war die Zusammenstellung diesmal musikalisch wenig an der Adventszeit orientiert.

Festlich war es dennoch, das machte Lorenzo Viotti gleich zu Beginn mit Felix Mendelssohns Trompeten-Ouvertüre C-Dur klar, welche mit deutlich mehr als nur Trompeten aufwartet. Jugendlich frisch war sie eine lichte Eröffnung im eisblau und mit Kerzen illuminierten Gotteshaus.

Den deutlichsten Hinweis auf die nahenden Weihnachtstage lieferte Max Regers schlichtes »Mariä Wiegenlied«, aus dem Hanna-Elisabeth Müller eine kleine Sternstunde zauberte. Sanft schimmerte ihr Sopran, war hervorragend verständlich und entbehrte jeden grellen Glanz. Dieser Eindruck sollte sich im folgenden noch vertiefen: in »Höre, Israel« aus Mendelssohns »Elias« trug sie eine glockenklare Botschaft vor, bevor im »Fürchte dich nicht« die Zuversicht schillernd jubilieren durfte, was der Staatsopernchor bravourös bekräftigte. Ob fugiert oder mit schlichtem Ausdruck – solche Momente hätten länger dauern dürfen. Wie auch Mozarts Violinkonzert G-Dur mit Daniel Hope, dem künstlerischer Leiter der Frauenkirche. Daß hier nur das Adagio erklang, war bedauerlich – Mozart ist einfach zu schade für ein wenig Konfetti!

Für französische Färbungen sorgte der Staatsopernchor gleich zweimal: mit dem »Cantique de Racine« (»Wort, dem höchsten gleich«, ursprünglich ein ambrosianischer Hymnus) von Gabriel Fauré und Francis Poulencs »Gloria«. Geschmeidig im Klang, wurde der Chor gerade bei Poulenc (Blechbläser) von zahlreichen Soli der Staatskapelle ausstaffiert. Lorenzo Viotti führte ein umsichtiges Dirigat und ließ die Details hervorblitzen.

Noch einmal schlicht und fein war Engelbert Humperdincks »Abendsegen« (Hanna-Elisabeth Müller und Stepanka Pucalkova), auch wenn wohl nicht nur der Kritiker zu bedenken gibt, daß »Hänsel und Gretel«, obwohl immer zu Weihnachten gespielt, doch nichts damit zu tun haben. Die »Traumpantomime« gab noch einmal dem Staatsopernchor Gelegenheit, sein Können zu entfalten, verdonnerte die beiden Solistinnen jedoch zum Ausharren vor dem Orchester.

Die allzu lose Folge endete – durchaus festlich – mit Rossini: dem Cum Sancto Spiritu aus der Petite Messe Solennelle – und was war nun mit Advent?

Zur Tradition gehört es schon lange, das Konzert für all jene, die keine Karte bekommen hatten, auf dem Neumarkt zu übertragen, die Fernsehaufzeichnung gab es am Sonntagnachmittag im ZDF. Wer all dies verpaßt hat, kann noch zweimal nachschauen: in der Mediathek des ZDF sowie am 23. Dezember 12:00 Uhr auf 3sat.

2. Dezember 2018, Wolfram Quellmalz

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