Stummfilm mit Musik

Orgelwinter in der Diakonissenhauskirche

Vor elf Jahren hatte Jan Katzschke den »Orgelwinter« an der Diakonissenhauskirche ins Leben gerufen, zum 35. Geburtstag sollte damals die Schuke-Orgel ein eigenes Fest bekommen. Seitdem erklingt sie außer in regelmäßigen Konzerten an Sonnabenden und sonntäglichen Kantatengottesdiensten auch im Rahmen eines Orgelfestes während der zweiten Januarhälfte. Am Wochenende begrüßte Stephan Seltmann, seit kurzem als Kantor des Hauses Nachfolger von Jan Katzschke, die Besucher des nunmehr zwölften Orgelwinters.

Den Auftakt hatten am Freitag Jan Katzschke – nunmehr Gast – und Stephan Pätzold mit einem Konzert für Viola und Orgel gestaltet, am Sonnabend ergänzte Joachim Schäfer (Trompete) den Orgelklang (Stephan Seltmann). Die Duos entwickelten nicht nur eine reiche Klangpalette, sie zeigten auch, zu welch charakteristischen Färbungen das Schuke-Instrument in der Lage ist. Als Continuo-Partner kann es mit Baß stützen und mit Puls Leben spenden, als Solistin ist die Orgel eine unübertroffene Meisterin. Georg Philipp Telemanns Sonata für Viola und Basso continuo ist ein wunderbares Beispiel dafür, daß Telemann die Schönheit dieser Stimmlage kannte und schätzte. Schön auch, daß das Krankenhaus die Konzerte für die Patienten, die nicht in die Kirche kommen konnten, auf einem hauseigenen Kanal übertrug!

Als Abschluß gab es am Sonntag den Stummfilm »Nanuk, der Eskimo« von 1922 zu sehen, was gleichzeitig das Präludium (oder Preview) für die 20. Dresdner Schmalfilmtage war, die vom 21. bis 24. März in der Motorenhalle (Projektzentrum für zeitgenössische Kunst) stattfinden werden. Organist René Plath begleitete den Streifen nicht nur an der Orgel, sondern mit allerlei Schlagwerk. »Nanuk, der Eskimo« zeigt als einer der ersten Dokumentarfilme mit einer Länge von mehr als einer Stunde (ursprünglich 78 Minuten) das Leben eines kanadischen Eskimos (Inuit) und seiner Familie während eines Jahres. Die Bilder erzählen nicht nur vom »ewigen« Schnee und Eis, sondern vor allem vom Kampf ums Überleben, vom Bau von Iglus und von der Jagd, dem Handel mit wertvollen Fellen – Eisbären, Polarfüchsen, Robben und Walrossen. Doch nicht nur um das Fell ging es, auch um das Fleisch – neben Fisch die einzige Nahrungsquelle in den arktischen Regionen. Verstört war wohl niemand angesichts der Fakten und Bilder, aber zum Nachdenken regen sie uns Nachgeborene natürlich an.

Insofern war es passend, daß man sich ganz auf den Film konzentrieren konnte. René Plath versuchte nicht, »fehlende« Effekte auszugleichen, dem Film die heute übliche Farbe und Geräusche hinzuzufügen. Statt dessen konzentrierte sich der Organist auf begleitende Musik, die Stimmungen erzeugte, Weite und Kälte evozierte, zuweilen lautmalerisch war oder auch ein wenig geräuschhaft, zum Beispiel den Schlag der Ruder eines Bootes nachahmte. Mit Trommeln und Hölzern spielte René Plath auch variabel, ohne daß die Musik einmal »vor« den Film rückte.

28. Januar 2019, Wolfram Quellmalz

Tip: Gregorianische Messe am 2. Februar, 18:00 Uhr, Choralschola der Hochschule für Kirchenmusik und der Liturgische Singkreis Jena, Liturgische Leitung: Pfarrer Frank Bliesener, Musikalische Leitung: Stephan Seltmann

https://www.diako-dresden.de/mutterhaus/kirchenmusik/

Dresdner Schmalfilmtage: http://www.schmalfilmtage.de/

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