Mannheimer Schule

Programmatisches Frühjahrskonzert des Mozart-Vereins

Musiker sind oft nicht nur auf der Suche nach dem richtigen Spiel und Ausdruck, sondern auch nach Neuem, Ungewohntem, Entdeckenswertem. Und so entstehen selbst bei Laienorchestern Programme, die nicht nur eine passende Zusammenstellung offenbaren, sondern sich bestimmten Themen, Epochen oder Werken zuwenden und diese vertiefen.

Am Sonnabend unternahmen die Musikerinnen und Musiker des 1896 gegründeten Mozart-Vereins unter der Leitung von Christian Thiele eine Reise nach Mannheim – gedanklich-musikalisch, versteht sich. Die Mannheimer Hofkapelle war im 18. Jahrhundert eines der besten Orchester in Europa, was uns nicht zuletzt deshalb so gut bekannt ist, weil kein geringerer als Wolfgang Amadé Mozart mehrfach dort zu Gast gewesen ist und mit der Kapelle eng verbunden blieb, auch nachdem sie nach München umgezogen und mit dem dortigen Orchester zusammengeschlossen war.

Auf Namen wie Stamitz, Richter, Canabich oder Hummel stößt man immer wieder, wenn man über diese Zeit und Mozart liest, und so hatte Christian Thiele ein reizvolles Programm zusammengestellt, das immerhin einige Generationen von Komponisten und Kapellmeistern umfaßte. Den Anfang machte Johann (Wenzel Anton) Stamitz mit seiner Sinfonie D-Dur (der sogenannten »Reiter-Sinfonie«). Schon hier war das ganze Orchester gefordert, den jagenden Rhythmus musikalisch zu erfassen – gerade Hörner und Flöten blieben neben den Streichern bis zum Ende des Konzertes fast pausenlos im Einsatz. Oboen und Fagotte machten sich kaum weniger bemerkbar, wie in Johann Christian Cannabichs Overtüre a 15, welche folgte. Canabich war in Mannheim ein Nachfolger Stamitz‘, sein reizvolles Stück ein weiterer Beweis für die ungemein fruchtbare Zeit der damaligen Kapelle.

Mit Franz Xaver Richter wurde es noch etwas »bunter«, denn das stetig wachsende Orchester wurde nun um die Trompetenstimmen bereichert. Richter hatte nicht nur auf die Akzente der Soli geachtet und kleine Duette von Trompeten und Klarinetten eingebaut, sondern großen Wert auf den sinfonischen Orchesterverbund gelegt – das bis hierhin bemerkenswerteste Stück.

Wie das noch steigern? Die abschließenden beiden Stücke lieferten die Antwort: mit einem Solisten und mit Mozart.

Zunächst betrat Felix Petereit die Bühne, das heißt den Altarraum. Johann Nepomuk Hummels Trompetenkonzert ist ein Standardwerk auf seinem Instrument und er hat es sicher schon oft gespielt, war jedoch weit davon entfernt, es nur routiniert zu präsentieren. Vielmehr verlieh er dem Werk Glanz und Geschmeidigkeit und überzeugte mit weichem, nicht brachial wirkendem Ansatz.

Das Orchester beschloß den Abend so mit einem Werk seines Namenspatrons – der »Pariser Sinfonie« Wolfgang Amadé Mozarts (KV 297). Doch Mozart hatte in Paris wohl noch die Mannheimer Kapelle »im Ohr«, der festliche Strahlklang zumindest läßt es vermuten. Mit dem Meisterwerk beendete der Mozart-Verein seinen kleinen Ausflug.

5. Mai 2019, Wolfram Quellmalz

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