»Ein Jahr voller Wunder«

»Klassische Musik für jeden Tag «

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Clemency Burton-Hill ist selbst Musikerin, Violinistin, Moderatorin und (Musik-)Journalistin. Im Diogenes Verlag ist nun ein Buch erschienen, in dem sie die Leser Tag für Tag mit kurzen Texten, Aphorismen und Anekdoten, aber auch Erläuterungen, Erinnerungen und historischen Fußnoten um die Musik durch das Jahr leitet. Das enthält allerlei wissenswerte Wichtig- und Unwichtigkeiten, und im Gegensatz zum Abreißkalender behält das Buch auch nach Ablauf eines Jahres seine Gültigkeit.

Die Autorin streift durch die Landschaft der klassischen Musik, umfaßt die Jahrhunderte von der Renaissance bis zur Gegenwart, über die Alte Musik bis zur zeitgenössischen klassischen Musik, aber auch bis zur »Neo Klassik« (oder »New classic«) von Niels Frahm. Was davon wichtig ist, sei jedem selbst überlassen, schließlich darf man auch einmal überspringen, überblättern, auslassen, man darf genausogut vor- und rückwärts schauen.

Die Texte folgen keinem strengen Schema, greifen also nicht zwangsläufig Jahres- oder Geburtstage auf, und wer denkt, daß Beethovens 200. Geburtstag hier erwähnt werden muß, der irrt – zumindest an den Tagen um den Geburtstag herum. Beethoven wird allerdings an sechs anderen Tagen bedacht. Am 28. Juli lesen wir dagegen knapp:

Und heute, an Bachs Todestag, sollten wir uns das Original anhören.

Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Auch für den 12. Februar benötigt Clemency Burton-Hill nur wenig Worte:

Lassen Sie sich von diesem Stück [Franz Liszt, Consolation Des-Dur] trösten –
das reicht schon.

Es sind die kürzesten Einträge, doch länger als eine Seite ist keiner – zu verarbeiten noch am Abend eines langen Tages. Lebensbilder, Liedtexte, Musikursprünge – vieles wird Sie anregen, auch deshalb, weil die Autorin manchmal (»erinnern Sie sich?«) Brücken zu vorangegangen Tagen bzw. Texten schlägt.

Ob Clemency Burton-Hill die Beiträge fortlaufend, chronologisch oder zeitlich synchron geschrieben hat, bleibt offen. Ihre Musikauswahl ist auf jeden Fall vielfältig, meist klassisch und gerade für interessierte Neueinsteiger interessant. Aber auch der erfahrene Konzertbesucher wird viel Neues erfahren – versprochen. Natürlich sind Kompositionen der »großen B« mehrfach vertreten, aber daneben gibt es zahlreiche kleinere und vergessene Werke, von John Cage über Josef Suk oder Johannes Ockeghem bis zu Amy Beach. Und nicht immer handelt es sich bei Personen um Komponisten: Der Geiger Yehudi Menuhin zum Beispiel ist ebenso vertreten. Und: wer einen Zugang zu apple.music hat, kann die Stücke des Tages sogar nachhören, ein entsprechender Zugang incl. Probeabo liegt dem Buch bei.

Für den Nikolaustag schreibt Clemency Burton-Hill:

6. Dezember: Eric Whitacre »Lux Aurumque«,

Obwohl es auf Lateinisch gesungen wird, stammt Whitacres Inspiration dazu von dem englischen Gedicht Light and Gold seines Zeitgenossen Edward Esch, dessen »reine, elegante Schlichtheit« ihn sofort angesprochen habe. Whitacre erklärt: »Ein einfacher Ansatz war wichtig für den Erfolg dieses Werks, und ich wartete geduldig, bis die dichten Harmonien schimmerten und leuchteten.«

Genau das tun sie.

Clemency Burton-Hill »Ein Jahr voller Wunder. Klassische Musik für jeden Tag« (Originaltitel: »Year of Wonder: Classical Music for Every Day«, 2017), Genre, aus dem Englischen von Barbara Neeb, Ulrike Schimming und Katharina Schmidt, Diogenes, fester Leineneinband, Schutzumschlag, Lesebändchen, 464 Seiten, 25,- €, auch als e-Book (21,99 €)

6. Dezember 2019, Wolfram Quellmalz

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