»Ave Maria«

Dresdner Orgelzyklus in der Kreuzkirche abgeschlossen.

Seit Februar erklangen die drei großen Orgeln von Jehmlich (Kreuzkirche), Silbermann (Hofkirche) und Kern (Frauenkirche) »allmittwöchentlich« im Rahmen des Dresdner Orgelzyklus‘. Manchmal war es auch die kleine Truhenorgel aus der Werkstatt Wegscheider, die in der Kreuzkirche für konzertante Pracht gerade barocker Werke im Zusammenspiel mit anderen Instrumenten sorgt, einmal im Quartal »mischte« sich die Eule-Orgel des Kulturpalastes in den Reigen.

Gestern war der Abschluß der Reihe für dieses Jahr, wie immer in der Kreuzkirche und wie immer mit einem Extra. Nach Konzerten für Orgel und Kammerorchester, mit Licht, Tanz und Bildern hieß es diesmal »Ave Maria«. Für gleich mehrere Extras sorgten die Solisten Julia Sophie Wagner (Sopran), Andreas Hartmann (Violine), Ursula Heins (Harfe), Denny Wilke (Klavier) sowie die Frauenstimmen des Philharmonischen Chores Dresden (Leitung: Prof. Gunter Berger). An seinem Hausinstrument wirkte Kreuzorganist Holger Gehring mit.

»Ave Maria« in einer protestantischen Kirche mag ungewöhnlich scheinen, doch gehört es schließlich zur Verkündigung im Advent, so Holger Gehring. Das mag so sicherlich zutreffen, und doch waren Programm und Spanne diesmal sehr weit. Allein Franz Liszt, der ja nicht nur praktizierender Katholik war, sondern auch die Niedere Weihen eines Abbé erhalten hatte, folgte mit seinen Psalmvertonungen (23, 137) nicht nur einer hochromantischen Deutung, er tut dies zudem in einem anderen Verständnis, als man es aus den Kreuzvespern gewohnt ist. Mit dem »Ave Maria« von Bach / Gounod, dem »Ave Verum« Gounods sowie Franz Liszts »O salutaris hostia« und der »Vogelpredigt des heiligen Franziskus von Assisi« (hier wechselte Denny Wilke vom Flügel an die große Jehmlich-Orgel und übernahm von Holger Gehring Manuale und Pedale) standen Werke mit besonders expressiven Passagen im Programm, hinzu kam ein weiteres »Ave Maria« (aus Liszts Sposalizio-Trauung) – das war für manchen etwas viel.  Schon im ersten Programmteil konnte man sich beim Erklingen des Zimbel-Sterns zur Zeile O Jesu dulcis (O gütiger Jesu, »dulcis« läßt sich jedoch auch mit »süß« oder »lieblich« übersetzen) des Eindrucks einer »Übersüßung« kaum erwehren. Mit beinahe eineinhalb Stunden war das Konzert vielleicht nicht zu lang, doch überforderte oder ermattete es manche Zuhörer, entsprechend mehrten sich gegen Ende Räuspern, Rascheln und Seufzen.

Dabei war die Qualität der Darbietung gut. Die Frauenstimmen mischten sich harmonisch in den Klang, der überhaupt – der Klang – wesentlich war an diesem Abend, der eigentlich ganz typisch begonnen hatte: drei Paraphrasen von August Gottfried Ritter zu Wagners »Meistersingern« standen nämlich zunächst auf dem Programm, und damit einer jener Organisten, die in den musikalischen Erinnerungen in der Kreuzkirche gern bedacht werden. Schön war, daß hier nicht eine pompöse Ouvertüre erklang, sondern die Szene unter dem Fliederbaum, also ein liebliches Sujet. Holger Gehring kann solcherlei Farben auch auf dem großen Instrument hervorbringen, die Solisten wurden dadurch nicht überdeckt. Während Klavier, Harfe und Orgel oft für Stimmungen sorgten, manchmal sehr in den Hintergrund traten (und dabei das eine oder andere »Strickmuster« von Bearbeitungen offenbarten), durften gerade Violine und Sopran von volltönend bis schlank singen. Julia Sophie Wagner füllte den Raum zunächst noch mit starkem Vibrato aus, im Verlauf milderte sie dies jedoch und klang so inniger, natürlicher.

5. Dezember 2019, Wolfram Quellmalz

Nächstes Orgelkonzert in der Kreuzkirche: Sonntag, 8. Dezember, 1700 Uhr, Christiane Bräutigam spielt Musik zur Adventszeit von Bach, Messiaen, Buxtehude sowie eigene Kompositionen.

Noch bis zum 13. Dezember gibt es an Werktagen jeweils 17:00 Uhr die »Striezelmarktmusik« mit unterschiedlichen Interpreten, wir legen die halbstündigen kleinen Konzerte unseren Lesern ans Herz!

Der Orgelzyklus 2020 beginnt am 5. Februar in der Kreuzkirche.

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