Schön, aber ein wenig Pasticcio

Geistliche Abendmusik im Meißner Dom

Die derzeitigen Bedingungen sind – auch im Moment des Wiederbeginns – mit Einschränkungen behaftet. »Aus dem vollen schöpfen« ist (noch) nicht möglich. Insofern konnten sich die Besucher der fünften Geistlichen Abendmusik im Meißner Dom freuen, daß mit Thomaskantor Gotthold Schwarz und vier Musikern des in Leipzig beheimateten Sächsischen Barockorchesters hochkarätige Gäste gekommen waren. Die Werkauswahl schien mit Teilen auch aus Oster- und Weihnachtskantaten ein wenig beliebig. Doch sie dürfte es nicht gewesen sein, vielmehr hatte wohl der Pragmatismus die Auswahl von Texten empfohlen, die in ihrer inhaltlichen Ausrichtung dennoch in diese Tage passen.

Somit war es nämlich möglich, die Anzahl der Mitwirkenden gering zu halten – Gotthold Schwarz agierte mehr als Sänger denn als Leiter und bot mit geschmeidigem Baß »Tritt auf die Glaubensbahn« aus BWV 152, »Der Friede sei mit dir« (BWV 158) sowie Georg Philipp Telemanns »Sollt ein christliches Gemüte« (TWV 1:1373) ganz oder in Teilen dar. Freilich bei BWV 152, aus dem Aria (»Tritt auf die Glaubensbahn«) und Rezitativ (»Der Heiland ist gesetzt«) erklangen, indem die beiden Strophen musikalisch in die Folge Rezitativ – Arie »verdreht« wurden. Eine geschlossene Form ergab sich also nicht. Mit der Psalmvertonung Confitebor tibi Domine (ZWV 71) von Jan Dismas Zelenka führte die Reise nach Leipzig (Bach), Hamburg sowie Frankfurt (Telemann) somit auch nach Prag und Dresden.

Kontemplative Momente der Schönheit sind natürlich gerade zu Vesper- oder Abendmusikanlässen willkommen. Dafür sorgten Katharina Arendt (Violine und Viola) und Markus Müller (Oboe), die oft als zweite und dritte gesangliche Stimminstrumente in Duetten und Trios leuchtkräftig mitwirkten, sowie Hartmut Becker (Violoncello), der einen nicht minder gesanglichen Baßpart übernommen hatte. Ein wesentlicher Teil des Continuospiels lag natürlich auf der Truhenorgel – Mechthild Winter vermochte darüber hinaus in Georg Friedrich Händels Air – Double aus der Suite für Cembalo E-Dur (HWV 430) auftrumpfen.

20. Juli 2020, Wolfram Quellmalz

Die nächste Geistliche Abendmusik gibt es schon am kommenden Sonnabend. Dann ist das Duo »La Vigna« (Theresa / Blockflöten und Christian Stahl / Laute) mit Musik aus Paris und Venedig des 17. und 18. Jahrhunderts zu Gast. 25 Juli, 17:00 Uhr, Dom zu Meißen: Geistliche Abendmusik. Weitere Informationen: http://www.dom-zu-meissen.de/veranstaltung.html

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