Letní slavnosti staré hudby auf Schloß Troja

Collegium Marianum aus Prag richtet bereits das 22. Sommerfestival für Alte Musik aus

Wie im vergangenen Jahr haben wir den »Sprung« nach Prag geschafft und ein Konzert des Letní slavnosti staré hudby besucht. Diesmal ging es aber nicht ins Klementinum Prag, sondern ins nördlich der Altstadt gelegene Schloß Troja. Am Montag war dort Capella de Ministrers mit ihrem aktuellen Programm »La spagna« zu Gast. Wie der Titel vermuten läßt, mit spanischer Musik, und wie es sich für ein Alte-Musik-Fest gehört, mit solcher aus der Zeit der Renaissance.

Capella de Ministrers beim Letní slavnosti staré hudby auf Schloß Troja, Photo: Petr Dyrc

Anders als im Programmheft angekündigt, das eine Vihuela de Arco nannte, blieb Ensembleleiter Carles Magraner allerdings bei der für Konzerte dieser Art üblichen Viola da Gamba und deren für unsere Ohren mittlerweile gewohnten Klängen. Gemeinsam mit Robert Cases (Barockgitarre und Laute), David Antich (Sopran-, Tenor- und Baßblockflöten) sowie Pau Ballester erweckten sie die »spanische« Musik (in aller Vielfalt: katalanische und andalusische Musik, mancher Komponist kam aus Italien) des 15., 16. und 17. Jahrhunderts. Die meist kurzen und einsätzigen Titel nahmen volkstümliche Themen und Lieder auf, hatten improvisatorischen Charakter und waren entweder von ungeheurer Energie oder leidenschaftlicher Tiefe. Die Vielfalt steckte dabei schon in den Werken – das titelgebende Lied »La spagna« wurde bereits damals unzählige Male vertont, verarbeitet und neu interpretiert. Schon die Fassungen von Costanzo Festa und Heinrich Isaac unterscheiden sich enorm im Temperament und weichen bis tief ins musikalische Material voneinander ab. Schlichte Variationen waren diese beiden Einleitungsstücke also nicht!

In zwei Teilen ließen Capella de Ministrers zwei knappe Dutzend Stücke bzw. Sätze von Domenico da Piacenza, Cesare Negri, Diego Ortiz oder Lucas Ruiz de Ribayaz erklingen, verbanden sie improvisierend oder präludierend und ließen nur nach besonders temperamentvollen Werken eine kurze Applauspause. Daß vieles sehr tänzerisch und mitreißend klang, war übrigens kein Wunder, denn ein Großteil der Werke war ursprünglich für Vergnügen, Ball und Tanz gedacht, mancher Komponist, wie Magister Guglielmo Ebreo da Pesaro, wird in den Lexika heute als Tanzmeister geführt.

Mit dem Wechsel der Stücke und der Instrumente – nur Carles Magraner blieb bei der Viola da Gamba, während die anderen munter nach verschiedenen Größen (Flöten) oder Formen (Schlagwerke) griffen – ergab sich ein bunter Reigen, der vor allem durch melodischen Rausch und effektvolle, eindrucksvolle Virtuosität geprägt war. Auf den »Klamauk« anderer Ensembles, welche fürs Publikum noch einen Extragaudi veranstalteten, verzichteten Capella de Ministrers gottlob, indes fehlte ihnen doch ein wenig der musikantische Funke oder tänzerische Rausch. Gerade wenn man hinsah, schienen die Herrschaften ein wenig zu beherrscht für diese Musik. Denn diese verfügte durchaus über Puls und eben – Leidenschaft. Sie konnte feurig und perkussiv auftrumpfen (Kastagnetten, Tamburin und Trommel), sehnsuchtsvoll Schmachten (Gambe) oder anrührend bis durchdringend singen (Flöten). In Gitarre und Laute indes vereinten sich Melodie und Rhythmus auf ausgleichende Weise. Dabei blieb das Quartett aber nicht immer ein Quartett, sondern wurde oft zum Duo oder Trio, was sich im Verlauf eines Titels gerne änderte – ganz nach Dramaturgie. Dabei zeigte sich – die Viola da Gamba ist schlicht die Meisterin der Gestaltung, denn mit einem Instrument ersetzte Carles Magraner mindestens vier – verfügt sie doch über einen Stimmumfang vom Flageolett bis zum Baß und kann gestrichen wie gezupft werden (gestrichen klingt sie natürlich am schönsten).

So ließ sich das Publikum (auch wenn dem Rezensenten ein wenig Feuerwerk fehlte) gehörig mitreißen – drei Zugaben waren ein Muß.

3. August 2021, Wolfram Quellmalz

Am Donnerstag geht Letní slavnosti staré hudby mit dem letzten Konzert und Vergnügungsmusik aus Versailles in Prag zu Ende.

https://www.letnislavnosti.cz/

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