»Romantische Schwelgerei«

Orgelkonzert mit Markus Kaufmann in der Dresdner Frauenkirche

Damit muß man derzeit (noch) leben, daß Programme kurzfristig nicht stattfinden, Gäste nicht anreisen können. Eigentlich hatte gestern Bine Katrine Bryndorf aus Kopenhagen im Rahmen des Dresdner Orgelzyklus‘ in der Frauenkirche spielen sollen, ihr Konzert war im letzten Jahr schon einmal verschoben worden. Nun klappte es auch diesmal nicht – wir warten gespannt, wann sie ihr Programm »Johann Sebastian Bach nachgespürt« präsentieren kann.

Für den Moment und sehr kurzfristig fand sich jedoch ein guter Ersatz: Markus Kaufmann, Domorganist in Quedlinburg und in Bälde Deutschlands Kantor an der Leipziger Nikolaikirche. In Leipzig wird Bach mit Sicherheit eine große Rolle für ihn spielen. Für den Moment »fiel« der Thomaskantor jedoch aus dem Programm heraus. Markus Kaufmann präsentierte romantisches, worin er in den letzten Jahren ein musikalisch wesentliches Zentrum gefunden hatte.

Mit Wagner, Widor, Liszt und Duruflé standen vier Komponisten auf dem Programm, die einerseits als Romantiker gelten können bzw. deren Musik der Romantik zugerechnet werden darf, aber eben nicht nur dies. So hat Charles-Marie Widor die Orgelsinfonik mitgeprägt, während Maurice Duruflé (Sätze aus den Symphonien I und V) eindeutig auch impressionistische Züge in seine Suite Opus 5 einflocht. Die »Toccata« daraus war das Schlußstück des Abends.

Mit besonderer Leichtigkeit kam Franz Liszts »Legende über den Heiligen Franziskus, der den Vögeln predigt« (Transkription von Camille Saint-Saëns) daher. Vogelstimmen und »Predigt« ließen sich zunächst gut unterscheiden, bevor sie nach einer sich prächtig öffnenden Lichtpforte choralartig den Raum gemeinsam ausfüllten.

In zwei Wagner-Vorspielen (»Pilgerchor« / Transkription Franz Liszt sowie zu Lohengrin / Transkription Theodore Dubois) hatte Markus Kaufmann bewiesen, daß er über das Maß verfügt, auch im großen Schwelgen noch feiner zeichnen, Zwischentöne zum Klingen lassen zu können.

Mit Antonín Dvořáks poco lento e grazioso (»Eine kleine Frühlingsweise«) aus den Humoresken Opus 101 gab es noch einen kleinen Nachklang.

5. August 2021, Wolfram Quellmalz

Das nächste Konzert des Orgelzyklus‘ findet am 11. August in der Dresdner Hofkirche (Giulia Biagettei) statt. Nächster Gast an der Orgel in der Frauenkirche ist Sietze de Vries (Groningen, 25. August).

https://www.frauenkirche-dresden.de/kalender/

https://www.bistum-dresden-meissen.de/wir-sind/kathedrale/musik-an-der-kathedrale/musik-an-der-kathedrale

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