Winterfreuden

Daniele Gatti und Frank Peter Zimmermann im Konzert der Sächsischen Staatskapelle

Ja, man kann dem November durchaus seine besten Seiten abgewinnen, auch und gerade das Wetter betreffend. Nebel, der später von der Sonne durchbrochen wurde, feuchte Kälte und leuchtendes Herbstlaub kennzeichneten den Sonntag gestern. Zumindest draußen vor der Semperoper. Drinnen ging es ganz anders, aber auch ein wenig winterlich zu.

Für sein zweites Sinfoniekonzert als Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle hatte Daniele Gatti Kaija Saariahos Sinfonisches Bild »Ciel d’hiver« (Winterhimmel) aufs Programm genommen. Im März wird die Oper »Innocence« der finnischen Dirigentin Premiere feiern (Regie: Lorenzo Fioroni, Musikalische Leitung: Maxime Pascal). In den etwa zehn Minuten spannte Daniele Gatti zwischen Schlagwerken, Celesta und Streichern eine weite Winterlandschaft auf, in der es ebenso glitzerte (Flöte: Sabine Kittel), wie sich der tiefblaue Himmel wölbte. Nach und nach schälte sich ein Sechs-Ton-Motiv deutlicher heraus, setzte sich im kristallinen Klang durch. Atmosphärisch gewann das Stück mehr und mehr an Dichte (Klarinette: Wolfram Große).

Der weit größere Teil des Vormittags gehörte aber Robert Schumann – es ist nicht alles Mahler, was Daniele Gatti in seiner neuen Spielzeit anfaßt, auch wenn er mit ihm einen Zyklus beginnt. Für Robert Schumanns Violinkonzert d-Moll war Frank Peter Zimmermann zur Kapelle zurückgekommen. Nach 2017 / 18 trägt er zum zweiten Mal den Titel des Capell-Virtuosen und geht mit dem Orchester anschließend auf Gastspielreise, im Juli kehrt er dann mit Johannes Brahms‘ Violinkonzert zurück (dann mit Schumanns »Rheinischer« im Verbund).

Herzlicher Dank: Daniele Gatti und Frank Peter Zimmermann, Photo: Sächsische Staatskapelle Dresden, © Oliver Killig

Robert Schumanns einzigartiges Konzert erhob sich strömend, vibrierend. Frank Peter Zimmermanns Violine war gleichermaßen Impulsgeberin wie sie sich in luftige Kantabilität schwang. Spannung verursachte nicht zuletzt der Kontrast heller und dunkler Töne, sich ungemein dicht und direkt gegenüberstanden. Das Orchester spendierte die goldene Töne der Horngruppe dazu, nach neuen Schwung für noch größere Höhen.

Im Mittelsatz stellte Daniele dem Solisten fast ein Kammerorchester gegenüber, etwa die beiden Celli des ersten Pultes. Die Phasenverschiebung von Tönen auf kleinem Raum erinnerte dabei sogar ein wenig an Saariahos eingangs gehörtes Stück. Auf die liedhafte Kantabilität des langsamen Satzes folgte ein beschwingtes »Lebhaft«, das Daniele Gatti genauestens auszirkelte. Frank Peter Zimmermann ließ die Violine heiter jubeln.

Mit einem Adagio in C-Dur »vom großen Johann Sebastian« bedankte sich Frank Peter Zimmermann für den Applaus.

Detailarbeit, ebenso herzlich: Daniele Gatti leitet die Sächsische Staatskapelle in der Semperoper, Photo: Sächsische Staatskapelle Dresden, © Oliver Killig

Nach der Pause stand Robert Schumanns zweite Sinfonie auf dem Programm. Auch sie schaffte Weite, Winterwelten, mit ihrer Einleitung, die Blechbläser und Streicher aufspannen. Mit den Holzbläsern setzte sich das Motiv durch. Bewegt bis stürmisch, mit Violinen, die einen Glöckchen-Effekt imitierten, zeigte sich der erste Satz, der zweite offenbarte Winterfreuden mit Schlagwerken und einer bedächtig, aber gezielt aufgebauten Rampe zum Tutti. Während im Adagio-Satz die Oboe (Bernd Schober) sehr sanft, aber bestimmt die Führung übernommen hatte, der Satz aber bedächtig blieb, frischte Daniele Gatti das Finale noch einmal gehörig auf. Der Blechbläserchor und das Schlagwerk strichen dies heraus. Am Ende gab es eine Kußhand für das Orchester.

11. November 2024, Wolfram Quellmalz

Heute und morgen noch einmal: Sächsische Staatskapelle Dresden, Frank Peter Zimmermann (Violine), Daniele Gatti (Leitung), 3. Sinfoniekonzert, mit Werken von Saariahos und Schumann, heute ab 20:03 Uhr auch in den Kulturradios der ARD.

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