Noch ein Freudenfest

Dresdner Kapellsolisten und Maria Perlt-Gärtner in der Dresdner Kreuzvesper

Mit dem Trinitatisfest wird vor dem Sommer ein vorläufiger Höhepunkt erreicht. Dennoch scheint dieser Sonntag der Trinität weniger greifbar als Ostern oder Pfingsten. Allerdings betonen die für den Tag geschriebenen Kantaten seine Festlichkeit.

Am Sonnabend boten die Sopranistin Maria Perlt-Gärtner und die Dresdner Kapellsolisten Auszüge aus gleich drei Bach-Kantaten zu diesem Tag, aber auch andere Tage in der Kreuzkirche.

Den Beginn bereitete aber Kreuzorganist Holger Gehring mit Johann Sebastian Bachs vielleicht festlichstem, aufstrebendstem und fröhlichstem Praeludium Es-Dur BWV 552, dem die Fuga nachfolgen durfte. Ob und welche Choräle oder Lieder Bach dabei inspiriert haben mögen, dazu haben sich Musikwissenschaftler und Albert Schweitzer bereits den Kopf zerbrochen – die Dreifaltigkeit wäre für Trinitatis kein unpassender Interpretationsraum, die Steigerung im Verlauf kündete zunächst von höherem, das noch folgen sollte.

Maria Perlt-Gärtner und die Dresdner Kapellsolisten in der Dresdner Kreuzvesper zu Trinitatis, Photo: Kreuzkirche Dresden

Denn die Kantatenausschnitte verliefen nicht wenig hymnisch oder hatten einen Hymnus als Ziel. So ließ Maria Perlt-Gärtner die Höhe in »Hilf, Gott, daß es uns gelingt« (Bachs Kantate zum Trinitatisfest »Höchsterwünschtes Freudenfest«, BWV 194) jubilieren.

Aus der Kantate zum zweiten Pfingsttag »Also hat Gott die Welt geliebt« (BWV 68) hatten die Kapellsolisten und Holger Gehring die Arie »Mein gläubig Herze« ausgewählt, in der Tat eine der am meisten zu Herzen gehenden Arien Bachs. Zudem wurde die Melodie nicht nur von der Stimme getragen, sondern auch vom Violoncello gesungen, das mit Truhenorgel und Kontrabaß zu einem melodisch klangvollen Basso continuo fand.

Für einen zumindest »teilgeschlossenen« Eindruck sorgte ein Ausschnitt aus der Kantate für Sopran und Orchester »Jauchzet Gott in allen Landen« (BWV 51) mit der titelgebenden Arie sowie der später folgenden »Höchster, mache deine Güte« und dem darin eingeschlossenen Rezitativ (»Wir beten zu dem Tempel an«). Der nach dem Gemeindegesang und Vaterunser angeschlossene Choral derselben Kantate (»Sei Lob und Preis mit Ehren Gott Vater«) überhöhte das noch mit der Trompete in der Begleitung, zudem hatte – wie an hohen Feiertagen üblich – das Dresdner Amen für eine besondere Stimmung gesorgt.

Vesper in der festlich geschmückten Kreuzkirche, Photo: Kreuzkirche Dresden

Einzig die Werkausschnitte wirkten dem geschlossenen Eindruck dagegen, zudem lenkte es das Ohrenmerk darauf, daß Bach manchmal etwas »metrisch« werden kann, wenn sich Taktarten wiederholen oder ähnliche aufeinanderfolgen.

Der Wirkung des Chorals mit dem anschließenden »Alleluja!« tat dies allerdings keinen Abbruch. Vielleicht hatte die bühnenerfahrene Sopranistin auch ein wenig Opernleidenschaft übertragen – da gestand Superintendent Christian Behr den Raum, ausnahmsweise zu applaudieren, zu.

1. Juni 2026, Wolfram Quellmalz

Die Kreuzvesper am kommenden Sonnabend gestalten der Kammerchor Pesterwitz, Kreuzorganist Holger Gehring und Superintendent Christian Behr

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