Geistliche und andere Lieder in der Moritzburger Schloßkapelle
Der Pfingstmontag ist traditionell der Auftakt der Vespern in der Moritzburger Schloßkapelle. Das war auch in diesem Jahr nicht anders – Isabel Schicketanz (Sopran) und Stefan Maass (Laute) erfreuten das Publikum mit Liedgut des 16. und 17. Jahrhundert, wofür sich Sebastian Knebel mit einem »doppelten Instrument« bzw. einer unter die Tastatur des Cembalos gestellten Truhenorgel ausgestattet hatte.
In kleinster Besetzung lassen sich mitunter die andächtigsten Momente schaffen, vor allem, wenn sie mit Hingabe hervorgerufen werden. So konnte sich Isabel Schicketanz nicht nur einer angemessen harmonischen und affektvollen Begleitung erfreuen, sondern steuerte selbst mit einer Emphase bei, die sogar für ihre Verhältnisse noch einige Grade in der Begeisterung zugelegt hatte.
Die Stücke stammten aus den ältesten protestantischen Liederbüchern und reichten vom kunstvollsten Gut bis zum schlichten Gemeindelied. Ohne Heinrich Schütz ist so etwas kaum zu denken – »Ach Herr, wie lang« (SWV 109, Becker-Psalter) gehörte ebenso dazu wie »Oh süßer, oh freundlicher Herr Jesu« (SWV 285). Schon zu Beginn hatte Isabel Schicketanz mit »Eile, mich, Gott, zu erretten« (SWV 282, wie zuvor aus den Kleinen geistlichen Konzerten I) mit einer zu Herzen gehende Dringlichkeit der Bitte vorgetragen. Später folgten »Ich harrete des Herrn« (SWV 137) und »Das ist der Tag der Freuden« (SWV 216 in einer Frühfassung, beides aus dem Becker-Psalter). »Oh süßer, oh freundlicher Herr Jesu« schwang sich wohl am weitesten in eine Seelenhöhe.
Außer Schütz, den »Standard« zu nennen unangemessen wäre, gab es Lieder von Heinrich Albert. Mit »Ich steht in Angst und Pein«, »Ihr Seelen, die ihr durch den Tod« (mit größter Wortklarheit), »Wohl dem, der sich läßt begnügen«, »Wie ist der Mensch doch so betört« und »Raffet auch der Tod« bot er gar die meisten Entdeckungsmöglichkeiten.
Mit nur zwei Titeln, aber um so einprägsamer, gehörten Kompositionen von Sophie Elisabeth zur Vesper. Die Herzogin zu Mecklenburg hatte eine musikalische Ausbildung erfahren und schließlich selbst zum kulturellen Leben am Hofe ihres Vaters (Teilherzogtum Güstrow) und später als Gattin des Herzog zu Braunschweig-Lüneburg und Fürsten von Braunschweig-Wolfenbüttel dortselbst beigetragen. Das seelen- und ruhevolle »Gott lässet seine Sonn‘« und das umfangreichere, dem Leben zugewandte »Ach Jesu, meiner Seele Wonne« waren Zeugen für eine beseelte Auffassung.

Dazwischen gab es mit Christoph Bernhard oder Michael Praetorius weitere Berührungspunkte, der Schütz-Schüler Matthias Weckmann war mit einer Toccata in d mit Echoeffekt auf dem Cembalo zu erleben. Nach scheinbar verdunkelndem Verlauf bzw. Schluß überraschte Weckmann mit einem offenen Akkord.
Den »Seelentrost« (Programmtitel) spendeten die ausgewählten Lieder reichlich. Sebastian Knebel trug mit einem eigenen Satz zum Gemeindelied »Nun bitten wir den heiligen Geist« (EG 124) bei. Für den Abschluß sorgte Adam Kriegers »Der Liebe Macht«.
28. Mai 2026, Wolfram Quellmalz
Am Sonntag, den 7. Juni, 17:00 Uhr steht eine besondere Vesper auf dem Programm der Moritzburger Schloßkapelle. Jan Katzschke wird dann die Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach auf einem Cembalo spielen.