Johann Sebastian Bachs Cellosuiten in der Hoflößnitz
Im vierten Kammerkonzert der Hoflößnitz in diesem Jahr stellte Bernhard Hentrich Ausschnitte aus den Suiten für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach auf historischen Instrumenten vor. Vieles klang dabei anders, denn Instrument, Bogen, Darmsaiten allein schon sorgten für einen anderen Eindruck. Dazu kamen unterschiedliche Stimmungen – nicht einfach mit einem tieferen Kammerton a bei 415 Hz, sondern generell unterschiedlich. Denn Bach hatte seine Suiten wohl nicht alle für ein Standardcello, sondern für unterschiedliche Bauformen geschrieben. Die sechste ist für ein fünfsaitiges (à cinq cordes) Violoncello gedacht, die fünfte »discordable« (bzw. Scordatura) zwar für ein viersaitiges, aber »verstimmtes« (Saiten statt C-G-d-a, C-G-d-g).

»Sind Sie guter Stimmung?« fragte Bernhard Hentrich das Publikum etwas anzüglich in seiner Moderation am Sonntag, um dem Programm gleich noch ein paar Anekdoten beizufügen …
Musik gab es aber auch. Zunächst auf einem viersaitigen Instrument von Antony Stephan Posch (Wien, 1737). Die Suite Nr. I G-Dur (BWV 1007) war eine große Gelegenheit, sich einzuhören auf den dunklen, bärigen Ton – Bernhard Hentrich nutze dynamische Wechsel für eine akzentstarke, packende Gestaltung. Was den leicht hüpfenden Charakter der Courante aber kein Jota hinderte. Die Sarabande war vielleicht der erstaunlichste Satz in seiner stimmungsbedingten Dunkelheit. Keine negative Dunkelheit, auch keine gedankenverlorene Tiefe – die Menuette lebten von einem ergreifenden, beschwingten Rhythmus, die Gique schloß voller Schwung mit vom Bogen »angesprungenen» Tönen.
Der Kontrast zur Sarabande und den beiden Gavotten aus BWV 1012 und D-Dur hätte kaum größer ausfallen können, denn nun war das fünfsaitige Cello von Marx Straub (Rötenbach, 1769) an der Reihe. Geradezu sonnig verströmte es seinen Klang, zweistimmig in der Sarabande und mit einer inneren Heiterkeit. Die Gavotten wiederum mit den »angesprungenen« Tönen lebten vom betonten Rhythmus. Eigentlich wäre da die ganze Suite noch schöner gewesen als nur die Ausschnitte.
So ging es, um ein paar kurzweilige Anekdoten bereichert, bereits zum letzten Werk, der c-Moll-Suite (BWV 1011), nun wieder auf dem Posch-Cello, aber scordiert. Nach den höheren Lagen zuvor klang das Prélude nicht dunkel, aber nachdenklich, bedacht, eine Öffnung und ein Neuanfang – wofür der Satz ja gedacht ist. Die folgende Allemande gehört ohnehin zu den schönsten Sätzen, die Johann Sebastian Bach für Violoncello geschrieben hat. Die Sarabande stand ihr kurz darauf kaum nach. Beherzt leiteten die Gavotten zur Gique über.
Und schon war der unterhaltsame Abend vorbei. Das war manchen wohl zu kurz und sie hätten gern mehr gehört – Musik oder Anekdoten? Bernhard Hentrich servierte als Zugabe einen Kompromiß und variierte zu einem Liedthema, das das Publikum mitsingen, summen oder brummen durfte.
7. Juli 2026, Wolfram Quellmalz
Nächstes Kammerkonzert in der Hoflößnitz: 27. September »Kaleidoskop«, Lars Ulrik Mortensen (Cembalo) mit Musik von William Byrd, Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Domenico Scarlatti, Michelangelo Rossi, Georg Böhm, Louis Couperin und anderen
Bernhard Hentrich bzw. seine Studenten können Sie bereits am Sonnabend 19:00 Uhr in einem Podium »Musikpraxis unter historischem Aspekt« in der Musikhochschule Dresden erleben, wenn sie nicht nur Fragen der Stimmung aufgreifen.