Festkonzert von medicanti
Das Laienorchester medicanti nimmt unter den Liebhaberensembles der Stadt seit Jahren einen festen Platz ein. Vor vierzig Jahren, 1986, wurde es gegründet, was am Sonnabend mit einem Festkonzert im Dresdner Kulturpalast und im Beisein der Gründungsmitglieder und früheren Leiter Christian Möbius und Ulf Winkler gefeiert wurde. Seit 2002 liegen die Aufgaben der Repertoireauswahl (maßgeblich) sowie der Musikalischen Leitung der Konzerte in den Händen von Wolfgang Behrend, der damit bereits mehr als die Hälfte des Orchesterlebens begleitet hat.
Diese Historie beeindruckt, noch mehr, wenn man das erarbeitet Repertoire liest. Denn neben ausgesprochenen Lieblingskomponisten wie Johannes Brahms (bisher wurden neun seiner Werke aufgeführt), Peter Tschaikowsky (acht) oder Antonín Dvořák (ebenfalls acht) fallen in der Aufführungsgeschichte von medicanti kleine Überraschungen, Exoten wie Günther Fischer, Florence Price oder Rudi Stephan auf. Daneben steht der Filmkomponist Klaus Doldinger mit bereits fünf »Einsätzen«!

Normalerweise lädt medicanti, das für alle Alters- und Berufsgruppen offen ist, sich gern junge Solisten für Konzertstücke ein, diesmal verständlicherweise jedoch nicht, denn zum Festkonzert sollte das Orchester selbst im Mittelpunkt stehen.
Milko Kersten, Präsident des Sächsischen Musikrates, gratulierte zum Jubiläum und betonte die Bedeutung von Musik und Kultur in einer offenen Gesellschaft. medicanti habe unter anderem häufig die Möglichkeit eröffnet, Musik zu entdecken oder beliebte Stücke wieder zu hören.
Diesmal traf beides zu, wobei Leonard Bernstein nachbessern konnte und nun dreimal in der Aufführungshistorie steht. Denn der Wiederaufführung seiner Overtüre zum Musical »Candide« fügte medicanti Bernsteins Divertimento neu hinzu.
Die Motive zu Voltaires verbanntem Helden mögen in Profiorchestern flotter purzeln, Wolfgang Behrend gelang dennoch eine äußerst pointierte Wiedergabe. Denn, das sei zuerst festgestellt: wo andere Laien manchmal straucheln, sich tonal oder im Tempo voneinander entfernen, blieb medicanti beeindruckend verbunden. Nicht nur das: die Motive wurden beständig übergeben, angetrieben, in Bewegung gehalten, zudem hielt Wolfgang Behrend die Tempi flexibel, ergo blieb die Spannung hoch.
Das Divertimento, vom Komponisten für das Bostoner Sinfonieorchester als Festmusik geschrieben, schien Candide zunächst folgen zu wollen – waren die Akkordverläufe des Anfangs nicht ähnlich? Doch anders als in der Ouvertüre entwickelten sich sogleich acht moderne Fassungen von Tanzsätzen. Federnd eröffnete das aus den Fanfaren aufstrebende Sennets and Tuckets, geschmeidig umschloß das Orchester das Solovioloncello im Waltz, die Mazurka schlenderte geradezu lässig über die Bühne. Der Turkey Trot zeigte sich mit Klanghölzern trotz anderslautenden Namens typisch amerikanisch, während der letzte Satz zunächst mit einem Duett, dann Trio der Flöten begeisterte, bevor er sich rauschhaft steigerte.
Diese Balance eingebundener Bläser, die sich sicher zeigten, und eines Orchesters mit geschlossenen Instrumentengruppen konnte in der zweiten Sinfonie von Sergej Rachmaninoff (e-Moll, Opus 27) noch mehr beeindrucken.
Die Violoncelli – auch sie in sich geschlossen – führten den ersten Satz stark an, der sogleich von den Bläsern wie mit Lichtlinien aufgehellt wurde, zu denen sich die höheren Streicher gesellten. Rachmaninow schwankt durchaus zwischen Filmmusik und bombastischer Breite – gerade hier verblüffte aber die Homogenität, die medicanti darzustellen wußte.
Im Verlauf waren zudem viele Erhebungen und Höhepunkte eingebunden, die in ausgeprägten Crescendo-Rampen bis in die Schlagwerke (immerhin zu sechst!) liefen. Flott entwickelte sich das Allegro molto, immer wieder durchsetzten Soli den Verlauf. Auf die nächsten 40 Jahre darf man also gespannt sein!
21. Juni 2026, Wolfram Quellmalz
Nächstes Projekt: 24. Januar 2027 (17:00 Uhr, Kreuzkirche), Werke von Humperdinck, Korngold und Tschaikowski