Moritzburg Festival eröffnet mit Dresdner Werken
Das Moritzburg Festival (MBF) hatte seine Konzertabende 2025 Musikmetropolen wie Paris, London und Wien zugeordnet, was beim Publikum ausgesprochen gut angekommen war. In diesem Jahr folgt es den Flüssen und begann nach der Begrüßung vom Schirmherrn des MBF, Landtagspräsident Alexander Dierks, am Freitag geographisch naheliegend an der Elbe, um sie hernach flußaufwärts zu befahren.
Der erste Abend hielt sich gleichermaßen an die Chronologie und überließ einem Jugendwerk Carl Maria von Webers die musikalische Eröffnung. Ob das Klavierquartett B-Dur, Opus 8, künftig immer am Beginn erklingen soll (vergleichbar mit dem traditionellen Schlußstück, Mendelssohns Oktett Opus 20), wie Festivalleiter Jan Vogler vorschlug, blieb zunächst offen. Die Publikumsabstimmung verlief positiv, aber nicht eindeutig – Erwägungssache. Das zwischen 1806 und 1809 im schlesischen Carlsruhe (an der Stober) und Ludwigsburg (Neckar) entstandene Werk (dazwischen weilte Weber in Breslau an der Oder) ist vielleicht zu ungewohnt und enthält für die Moritzburger Schloßterrasse zu viel Salonanteile. Zunächst standen vor allem das Klavier (Marie Sophie Hauzel) und die Streicher (Hina Khuong-Huu / Violine, Nicholas Swensen / Viola sowie Jan Vogler / Violoncello) grazil gegenüber. Manches erinnerte an Webers Singspiele, nicht nur wegen der Kantabilität, doch fanden dazwischen Violine und Viola zu inniger Zweisamkeit, während Klavier und Violoncello einige exponierte Passagen zugestanden blieben. Alles in vielem ungewohnt, aber auch Geschmackssache.

Da war das Klaviertrio g-Moll, Opus 17, von Clara Schumann, 1846 tatsächlich in Dresden entstanden, schon »handfester«. Es ist eines der bekanntesten Stücke der enorm (selbst)kritischen Komponistin, das mit Lise de la Salle (Klavier), Claire Wells (Violine) und Camille Thomas (Violoncello) vor allem von ihrem melodiösen Einfallsreichtum zeugte. Ein Dialog dichter Stimmen wechselte mit fliehenden, liedhaften Figuren (Klavier) und sonoren Antworten des Cellos, die teils etwas stark vordergründig ausfielen.
Den flehentlichen Ton enthielten auch zwei der Lieder Clara Schumanns, die jedoch 1841 vor dem Umzug nach Dresden noch in Leipzig (Pleiße) entstanden waren. Die Singstimme in »Er ist gekommen, in Sturm und Regen« sowie »Liebst Du um Schönheit« hatte Jan Vogler übernommen, von Marie Sophie Hauzel begleitet, doch auch hier wirkte der Celloton sehr präsent (oder lag es an der Verstärkung?).

Nachdem die Oberelbe derart erkundet worden war, folgte das MBF dem Fluß bis nach Hamburg, dem Geburtstort von Johannes Brahms, dessen Klavierquartett g-Moll Opus 25 dem ersten Abend nicht nur die musikalische Korne aufsetzte, sondern dem Festival überhaupt einen ersten Mosaikmeilenstein der Kammermusik hinzufügte. Mit William Youn stand ein Pianist zur Verfügung, der virtuose Könnerschaft mit geschmackvoller Gestaltung zu verbinden weiß, und so perlte das Allegro, von aufstrebenden Streichermotiven (Mira Wang / Violine, Nils Mönkemeyer / Viola und Petar Pejčić / Violoncello) umschlossen, satt auf. Das Feuer dieses ersten Satzes war von einer inneren Glut entfacht, was in der Folge nicht hinderte, daß einzelne Stimmen markant hervortraten, weich konturiert wie vom Cello oder auch im herben Charme eines rauhen Brummens (Viola im Intermezzo). Überhaupt offenbarte der zweite Satz, nicht nur in seinem Trio, viele Geheimnisse, wie einen flehenden Ton, jetzt im Verbund von Violine und Viola gesungen, der an Clara Schumann erinnerte – ihre enge Vertrautheit mit Brahms ist bis heute ein Rätsel und Anlaß für Spekulationen.

Brahms‘ Quartett endet spektakulär mit dem Rondeau alla Zingarese, dessen Presto-Charakter durch immer neue Beschleunigungen entfacht, aber auch in variablen Pizzicati (erst beiläufig, dann luftig, schließlich punktiert) betont wurde. Dazwischen war Gelegenheit geblieben, die Streicher, beginnend mit Viola und Violoncello, zu verschmelzen.
8. August 2026, Wolfram Quellmalz
Heute (13. August) beim MBF: öffentliche Probe (Evangelische Kirche Moritzburgs), nächstes »Elbe«-Konzert: Sonntag, 16. August, Werke von Mendelssohn und Brahms