Alte Musik im Kunstgewerbemuseum
Im fünften und letzten der Konzerte »Alte Musik im Kunstgewerbemuseum« im Bergpalais des Pillnitzer Schlosses war am Sonnabend das Ensemble tiefsaits zu Gast. Alma Stolte, Anna Reisener und Mirjam-Luise Münzel spielten Violoncelli, aber vor allem drei Instrumente, die einst zum Bestand der Sächsischen Hofkapelle gehörten, nach dem Krieg aber ausgemustert und dem Museum übergeben wurden. Zwar werden Instrumente dieses Bestandes regelmäßig im Rahmen der eigenen Konzertreihe gespielt, doch die drei unterschiedlichen Celli, genauer ein Violoncello, ein »Bassett« und ein Violone, erklangen nun erstmals gemeinsam – eine Rarität also, verwies Torsten-Pieter Rösler als Vertreter des Museums und Veranstalter.
Das Damentrio hatte dafür Werke ausgewählt, die jede der Stimmen einzeln vernehmbar machten, aber auch das Zusammenspiel zeigen konnten. Natürlich sind gerade Werke mit gleichwertigen Stimmen, die fugiert oder im Kanon erklingen, dafür geeignet. Solchen Einklang bot zum Beispiel Christoph Piochis Ricercar a 3, das Anna Reisener noch auf dem eigenen Violoncello spielte – ebenfalls einem alt, aber sächsischen Instrument.

Sonst überwogen auch in den Werken die italienischen Komponisten, so wie die italienischen Instrumentenbauer. Domenico Gabriellis Ricercar VII war die einzige Gelegenheit, die drei Museumsinstrumente gemeinsam zu hören, denn der Violone ist äußerst sensibel und anders gestimmt als die anderen Instrumente, weshalb er weniger gespielt und strapaziert wurde. Nicht zuletzt, verwiesen die Spielerinnen, sind die Celli das häufige Spielen nicht gewohnt, weshalb sich Wirbel weniger leicht drehen lassen und sich die Instrumente schneller verstimmen als solche, die zwar alt, aber ständig im Einsatz bei Proben und in Konzerten sind.
Mit einem Canon a2 von Domenico Gabriellis gerieten danach Violoncello und Bassett in einen hellen, lebhaften Dialog. Eine Gleichwertigkeit der Stimmen läßt sich aber auch anders darstellen: Benedetto Marcello war mit der Trio Sonata II in c-Moll zu erleben, das sehnsüchtig und schmachtend gerade in den langsamen Sätzen emotionale Tiefe spüren ließ, in den anderen dafür eine venezianische Agilität wachwerden ließ.
Etwas aus der Art oder Zeit geschlagen waren drei Capricen Joseph Dall’Abacos, immerhin jüngstgeborener Komponist des Programms und bereits in der Generation der Bach-Söhne zu Hause. Doch seine leichten Phantasien waren gerade gut geeignet, die Instrumente solistisch zu erleben.

Mit Giacobbe Cervetto gab es einen unbekannten Komponisten wiederzuentdecken. Zudem einen, der das Alter der Komponisten auszugleichen hilft. Denn zum Glück starben nicht alle so früh wie Mozart, Schubert oder de Arriaga. Cervetto übertraf sogar Joseph Haydn (77 Jahre) oder Heinrich Schütz (87) – einhundert Jahre alt wurde er (so alt wie György Kurtág jetzt). Seine Trio Sonata IV C-Dur war insofern ein besonderer Beitrag, verband wiegenden Kanon (Commodo) mit einem melancholischen Adagio. Doch tiefsaits liebt die frohen Töne und ließ das Vivace quicklebendig lachen.
Ein Zeitgenosse Giacobbe Cervetto sorgte für den Ausklang: zwei Sätze aus Antonio Vivaldis Concerto für zwei Violoncelli, Streicher und Basso continuo (RV 531) hatte das Ensemble für sich eingerichtet. Alma Stolte und Mirjam-Luise Münzel spielten die Soloinstrumente, Anna Reisener ersetzte mit dem Bassett das ganze Orchester.
21. September 2026, Wolfram Quellmalz