Nach-Sommer

Moritzburg Festival traditionell abgeschlossen

Die beiden Wochen des Moritzburg Festivals (MBF) weisen oft typische Unterschiede auf, etwa, wenn sich mit der sich ändernden Besetzung eine andere Dynamik oder Familienstimmung ergibt. In diesem Jahr sorgte das Wetter für eine deutliche Trennung und Unterscheidung. Nach dem sommerlichen Auftakt am Ende der Ferien verlief die zweite Woche fast herbstlich kühl und mit Regen. Das Abschlußkonzert am Sonntag fand traditionell wieder in der Evangelischen Kirche statt – zwar bei deutlich kühlen Temperaturen, aber bei freundlicher Sonne.

Bis dahin konnte sich das MBF über 7300 Besucher und eine Auslastung von 97 Prozent freuen. Zu den 26 Solisten hatten neben bekannten und etablierten Größen neue Namen gezählt, darunter die in der Klassikszene bereits namhafte Cellistin Camille Thomas, auch Klarinettist Julian Bliss war zum ersten Mal dabei. Hinzu kamen 41 Akademisten aus 19 Nationen von tatsächlich allen fünf Kontinenten. Das Programm hielt ebenso beliebte und neue oder ungewohnte Stücke parat, wie Arnold Schönbergs »Ode an Napoleon Bonaparte«, das im Rahmen eines Lieblingsstückeabends der Musiker incl. des ursprünglichen Textes von Lord Byron vorgetragen wurde.

Blick zwischen den Cellisten von der Bühne, Photo: NMB, © Oliver Killig

Selbst das Abschlußkonzert holte sich Bestandteile aus einer weitverzweigten Repertoirewelt und begann mit einer Musica di camera – Johann Sebastian Bachs Brandenburgischem Konzert Nr. 3 G-Dur (BWV 1048). Am Donnerstag hatte die öffentliche Probe mit einem Spiel vom Blatt noch aufgezeigt, daß für ein geschlossenes Ensemble noch einige Arbeit getan werden mußte. Hina Khuong-Huu, Guido Sant’Anna und Claire Wells (Violinen), Laura Liu, Arthur Günther und Miguel Medina de las Heras (Violen) sowie Jan Vogler, Andrei Ioniță und Alma-Magdalena Staemmler (Violoncelli) und Veljko Stanković (Kontrabaß) hatten dies aber nachgeholt, vor allem gefiel die immer wieder hervortretende Viola von Laura Liu, die dem Dreiklang der Violinen gegenüberstand. Nicht zu vergessen ist ein »mitwirkender Gast« am Spinett, der den Basso continuo nicht nur stützte, sondern trieb: Tobias Teumer ist weder Hauptakteur noch Akademist, sondern Geschäftsführer des MBF.

Chelsea Guo mit Ottorino Respighis »Il tramonto«, im Quartett rechts und links: Fiona Khuong-Huu, Mira Wang, Laura Liu und Andrei Ioniță, Photo: NMB, © Oliver Killig

Ist Bach bei einem Kammermusikfest schon ein wenig ein Exot, so gilt das für Ottorino Respighi um so mehr, erst recht, wenn er mit einem Lied zu erleben ist. »Il tramonto« (Der Sonnenuntergang) für Sopran & Streichquartett. Das dunkle Werk – anders als der malerische Titel zunächst vermuten läßt, dreht es sich darin um Liebe und Tod – wurde von Chelsea Guo interpretiert, der als Quartett Fiona Khuong-Huu, Mira Wang (Violinen), Laura Liu und Andrei Ioniță zur Seite saßen. Die Sopranistin erwies sich dabei als ausgesprochen ausdrucksstark und eher in einer Mezzo-Lage zu Hause, auch manche Wendungen zum Piano oder in die tonale Tiefe gelangen ihr ausgesprochen gut. Sobald sie forcierte, schien die Stimme beinahe übermächtig (ohne daß man sie »opernhaft« nennen müßte). Ein Manko war die Verständlichkeit gerade in den aufgewühlten Passagen. Selbst mit italienischem und deutschem Text vor Augen wäre es schwer gewesen, ihr zu folgen. Das mindert die Gestaltungsstärke nicht, bleibt aber in einer Region, wo das Lied-Gut zu Hause ist anzumerken (immerhin waren beim MBF auch Sopranistinnen wie Christiane Karg oder Juliane Banse zu Gast).

Enger Blickkontakt bei Fanny Mendelssohns Klavierquartett mit Anton Gerzenberg, Hina Khuong-Huu und Laura Liu (Andrei Ioniță rechts außerhalb des Bildes), Photo: NMB, © Oliver Killig

Den Abschluß des Abschlusses besorgten, nur von der Konzertpause getrennt, die Geschwister Mendelssohn. Noch dazu mit Werken, die sie in ähnlichen, wenn nicht im gleichen Lebensalter verfaßt hatten. In manchem waren sie sich einig, wie dem jugendlichen Hang zu hymnischen Melodien, wie sie Fanny Mendelssohn in ihrem Klavierquartett As-Dur zu Beginn anstimmt. Anton Gerzenberg (Klavier), Hina Khuong-Huu, Laura Liu und Andrei Ioniță formten ihre Parts in verschiedenen Gegenüberstellungen oder Duos aus. Einmal war das Klavier Partner des Streichtrios, dann führten Violine und Violoncello ihre Kantabilität aus. Die zuvor so leuchtende Viola blieb diesmal in der verbindenden Rolle bzw. goldenen Mitte.

Felix Mendelssohns Streichoktett Es-Dur Opus 20 war inclusive der Finalwiederholung der mit ein wenig Wehmut verbundene Abschluß des diesjährigen MBF. Wie immer schien der energetische Impuls aber als Versprechen für die kommende Auflage (6. bis 22. August 2027) zu gelten sowie die Feststellung auszulösen, daß das Oktett doch noch nie so schön geklungen hat wie diesmal.

24. August 2026, Wolfram Quellmlaz

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