Duell ohne Niederlage

Gipfeltreffen zweier historischer Cembali in Pillnitz

Das wunderbare Cembalo von Johann Heinrich Gräbner von 1739 kann man fast jedes Jahr im Rahmen der Konzerte Alte Musik im Kunstgewerbemuseum im Pillnitzer Schloß hören. Jenes von Johann Daniel Silbermann (1758) erklang erstmals wieder im vergangenen Oktober. Am Sonnabend waren die beiden auch ursprünglich Dresdner Instrumente erstmals gemeinsam im Konzert zu erleben.

Jan Katzschke und Peter Waldner spielten gleichzeitig sowie abwechselnd an beiden Cembali, die Restaurator Roland Hentzschel noch einmal vorbildlich vorbereitet, sprich: gestimmt hatte. So trübte kein Abgleiten der Stimmung oder Tonunterschied das gemeinsame Spiel. Johann Sebastian Bachs Triosonate C-Dur (BWV 529) war ein gleichermaßen festlicher Auftakt wie er gleich mit vielen Eindrücken bereicherte. Das ältere Gräbner-Cembalo verfügt über einen satteren, runderen Baß, konnte man erkennen. Peter Waldner spielte zunächst den Silbermann-Flügel, führte in der ersten Stimme. Schon da fiel auf, wie harmonisch sich der Klang der Instrumente trotz unterschiedlicher Charakteristiken mischte.

Die weitere Folge bestätigte den Eindruck: Johann Adolph Hasses Sonata in G, nun mit Peter Waldner (Silbermann) allein, offenbarte beim Instrument mehr Brillanz mit einer Tendenz zur Schärfe, wenn man (gewollt) forciert, aber auch einen filigraneren Silber-Klang, wie das Largo verdeutlichte. Der Aus- bzw. Nachklang ist schön, reißt nicht ab.

Jan Katzschke und Peter Waldner an den beiden Cembali von Gräbner (hinten) und Silbermann (vorn), Photo: NMB

Das Gräbner-Cembalo verfügt tatsächlich über einen runderen, gefälligeren, größeren Klang. Das kann geradezu konzertant werden und wie ein kleines Orchester klingen, noch mehr, wenn sich beide Instrumente vereinen, wie den vielen Variationen in Johann Sebastian Bachs Sarabande con partite in C-Dur (BWV 990), die abwechselnd zwischen Silbermann (jetzt mit Jan Katzschke) und Gräbner (Peter Waldner) kräftige, getupfte oder polyphone Eindrücke, ein rhythmisch schwingendes Treiben (Variation Nr. 7 / Gräbner) oder gelassenes Plaudern (Nr. 12 / Silbermann) boten. Der Abschluß, nun wieder vereint in beiden Instrumenten, gelang überzeugend vollmundig – mag man nach Geschmack Vorlieben im Klang haben, war ein Favorit dennoch nicht eindeutig auszumachen!

So blieb noch mehr Muße, die Werke zu durchleuchten oder sich durchleuchten zu lassen. Denn die abschließenden beiden Stücke gingen in der Zeit einerseits weiter, vereinten aber Rückbezüge (oder Vorbilder) mit den neuen Moden. Johann Gottlieb Naumanns Sonata in F-Dur, von Peter Waldner am Gräbner-Cembalo gespielt, ließ im Aufbau an Bachs Italienisches Concert denken und beeindruckte mit flinken, klangvollen, sauber artikulierten Läufen, im Mittelsatz (Andante) war die neueres Zeit der Empfindsamkeit, weniger effektlastig, angenehm zu spüren.

Ähnliches ließ sich über Johann Ludwig Krebs sagen. Vom Bach-Musterschüler spielten die beiden Cembalisten (nun Katzschke / Silbermann und Waldner / Gräbner) ein Concerto in a-Moll, das einerseits auf das Vorbild Bach mit virtuosem Akkord-Stakkato incl. Echoeffekten verwies, dabei aber schon eine Verfeinerung in der Verzweigungen des Themas, vielleicht wie in einem Capriccio Bachs, offenbarte. Das Affettuoso erklang als luftiges Stück, mit viel Verfeinerung und Kantabilität. Gerade hier, in den zarteren Tönen, erwies sich der sauber gestimmte Einklang beider Instrumente auch nach über einer Stunde noch als stimmig.

Zwei Cembali, zwei Sieger – Jan Katzschke und Peter Waldner, Photo: NMB

Eine gute Basis, um im abschließenden Allegro mit virtuosen Läufen und einem enormen Tutti-Eindruck noch einmal einen geradezu orchestralen Klang hervorzuheben.

30. August 2026, Wolfram Quellmalz

Im letzten Konzert der Reihe in diesem Jahr am 19. September spielen Alma Stolte, Anna Reisener und Mirjam-Luise Münzel (Ensemble tiefsaits) auch auf historischen Instrumenten des Museumsbestandes Werke von Domenico Gabrielli, Giacomo Cervetto, Ermenegildo del Cinque, Antonio Vivaldi und anderen. Neben der Formenvielfalt der Celli steht dann der Unterschied zwischen Melodie- und Baßstimme besonders im Mittelpunkt.

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