Lauter gute Gründe

Benefizkonzert mit René Pape

Der Keppgrund ist mehr als nur ein Ausflugsziel oder Teil einer empfohlenen Wanderstrecke – er ist Teil des romantischen Erbes Dresdens. Carl Maria von Weber ließ sich hier inspirieren, manches Keppgrundbild, die eine oder andere beim Spaziergang aufgefangene Stimmung, mag in Webers »Freischütz«, »Euryanthe« oder »Oberon« eingegangen sein. Schon zwölf Jahre war das kleine Tal unzugänglich und gesperrt. Ein unhaltbarer Zustand, empfanden einige – und wurden tätig. Die Bürgerinitiative Keppgrund sammelte selbst Geld und leistete Überzeugungsarbeit. Insgesamt 500.000 Euro wurden durch eingeworbene Spenden (75.000 Euro), von der Landeshauptstadt Dresden (350.000 Euro) und der Gemeinde Weißig (75.000 Euro) zusammengetragen. Diese Finanzierung, durfte sich Dr. Romy Donath am Freitag noch vor dem Benefizkonzert in der Weinbergkirche Pillnitz freuen, sei nun – auch dank der Einnahmen aus dem Konzert – gesichert.

Aus gutem Grund für den Grund – dafür ließ sich René Pape gewinnen, zumal der Keppgrund unmittelbar zu seinem Heimatumfeld gehört. Der Kammersänger gehört zum Ensemble der Staatsoper Unter den Linden, lebt aber nach wie vor in Dresden-Hosterwitz.

Die Oper ist Papes eigentliches Zuhause, dennoch hat er auch im Liedbereich bemerkenswerte Eindrücke hinterlassen. Einst gab er in Dresden ein Debut: kurz nach der Premiere von »Boris Godunow« an der Semperoper und wenige Tage nach seinem ersten Liederabend überhaupt (New York) trat René Pape im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele im Juni 2009 im Schauspielhaus auf. Sein Begleiter damals war Camillo Radicke, ihr Programm rankte sich um Schubert, Wolf und Schumann nebst einer zweifach präsentierten »Zueignung«.

Vertraute Zusammenarbeit: Katharina Pfeiffer, René Pape, Photo: NMB

So eine umwerfend dichte Atmosphäre war in der Pillnitzer Weinbergkirche nicht zu erwarten, aber ein »Original Pape« in jedem Fall. Mit seiner großen Stimme hatte er für die kleine Kirche Antonín Dvořáks Biblische Lieder sowie die Rückert-Lieder von Gustav Mahler ausgewählt. Für Dvořák nahm Katharina Pfeiffer, Kantorin der Lukas-Kirche, am Flügel Platz. Mit ihr verbindet den Bassisten mittlerweile eine langjährige künstlerische Zusammenarbeit. Vermißt man René Pape hierzulande auf der Opern- oder Liedbühne, war er einige Male in der Lukaskirche zu erleben, wie im Rahmen der Musikalischen Andachten während der Pandemiezeit. Dieses Vertrauen war in den Biblischen Liedern fühlbar, die oft in der Aussage eine besondere Kraft und Dringlichkeit entwickelten, im Nachhall bzw. Ausklang der Worte, aber das Klavier einen milden Schluß oder Übergang finden ließen. Was nicht bedeutete, daß hier nicht doch ein Donner im Akkord stecken konnte, wie in »Skrýše má a paveza má Ty jsi« (»Schütze mich, denn du bist mein Schirm«). Gleich darauf wurde die Stimmung wieder heller (»Slyš o Bože! slyš modlitbu mou« / »Hör, o Gott, o höre mein Gebet«).

Die kraftvolle Stimme konnte sich noch steigern, ja emphatisch werden. Am schönsten wohl in im fünften (»Bože! Bože! píseň novouy« / »Ich singe dem Herrn ein neues Lied«) und im letzten Lied (»Zpívejte Hospodinu píseň novou« / »Singet und lobet den Herrn«). Der slawische Text liegt Pape, spürte man, auch die Konsonanten wurden gepflegt, der Inhalt dramaturgisch hervorgehoben, und sei es durch eine kleine Pause nach dem freudigen Schluß (»Bože! Bože! píseň novouy«), auf das ein deutlich um Beistand rufender Text folgte (»Slyš, o Bože, volání mé« / »Höre, oh Gott, mein Flehn«) oder als »Při řekách babylonských« (»Wende dich zu mir und sei mir gnädig«) die inständige Bitte als Anrufung unterstrich.

Solche den Text vermittelnde Intensität kann man nicht brechen, vor Mahlers Rückert-Liedern sorgte dafür ein anderes Dresdner Werk der Romantik für eine Zäsur. Florian Mauersberger, Kantor und Organist der St. Marien-Kirchgemeinde Pirna, ließ vier der Stücke in Kanonischer Form von Robert Schumann auf der Orgel erklingen. Ursprünglich für ein Pedalklavier gedacht, schienen sie hier – mit gehaltenem Ton und romantischem Fließen statt Anschlag, milder, behielten aber einen Akzent oder offenbarten wiederum Liednähe (Andantino).

Stephan Matthias Lademann, Katharina Pfeiffer, René Pape, Florian Mauersberger, Photo: NMB

Gustav Mahlers dunkle, verführerische Lieder erklangen mit der Begleitung von Stephan Matthias Lademann (Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien), einem ausgewiesenen Liedexperten. Dem Lindenduft haftete der Süßheit nur noch wie eine ferne Erinnerung an, am tiefsten war vielleicht der »Fall« in »Ich bin der Welt abhanden gekommen« – da mochte man raten, auf wen sich dieses Abhanden mehr beziehen soll – Rückert oder Mahler? Auf René Pape hoffentlich nicht!

29. August 2026, Wolfram Quellmalz

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