Unerhörtes Mitteldeutschland: Celloklänge im Carl-Maria-von-Weber-Museum Dresden

Mitteldeutschland gilt als eine Wiege der Musik. Daniel Schad, Vorsitzender des Vereines »STRASSE DER MUSIK« sieht dafür nicht zuletzt Martin Luther als Auslöser, der seine Kantoren aufgefordert hatte, selbst Kirchenlieder für die Gemeinden zu schreiben. Heute zeugen Orchester, Musiktheater, Festspiele und Konzertreihen von dieser Tradition. Und bringen sie uns gleichzeitig näher, wie das Musikfest »Unerhörtes Mitteldeutschland«. Denn der ausrichtende Verein hat nicht nur die Förderung und wissenschaftliche Erforschung der mitteldeutschen Musik zum Ziele, sondern bringt diese auch zur Aufführung. Dazu gehört, jene Komponisten, die in Sachsen-Anhalt, Sachsen oder Thüringen wirkten, nachzuweisen oder wiederzuentdecken – weit über 1400 sind es bis heute. In den Programmen stehen somit vielfach auch weniger bekannte Komponisten und auch solche, die dem Gedächtnis des Konzertbetriebes ganz entrissen zu sein scheinen. So auch im Carl-Maria-von-Weber-Museum Dresden.

Am 6. Juli fand hier das 12. Konzert des diesjährigen Musikfestes »Unerhörtes Mitteldeutschland« statt. Und weil das Wetter prächtig »mitspielte«, konnte man die Musik aus der »Kammer« durch die geöffneten Fenster draußen im Garten des Werberischen Sommerhauses hören. Alexander Will (Violoncello) und Friedrich Thomas (Klavier) spielten bekanntes, unbekanntes und überraschendes. Johannes Brahms und Ludwig van Beethoven gehören für den Konzertbesucher von heute zu den bedeutendsten Komponisten, Erwin Schulhoff dagegen ist vielen nur dem Namen nach bekannt. Schön, daß seine Cellosonate, ein Frühwerk noch aus Studienzeiten, hier einmal zu hören war. Und darüber hinaus zwei Werke des Meißner Komponisten Albert Dietrich. Als Teil des Freundeskreises Brahms-Joachim-Herzogenberg… ist er heute meist nur als Autor des Allegros der sogenannten FAE-Sonate in Erinnerung. Überraschung dagegen ausgerechnet bei Beethoven: seine Variationen für Violoncello und Klavier WoO 45 verarbeiten ein Thema aus Händels Oratorium »Judas Maccabäus«. Dieses ist uns heute vor allem als Adventslied »Tochter Zion, freue dich« geläufig. (In »Judas Maccabäus« bezieht sich der Text des Librettisten Thomas Morrel allerdings auf den siegreich mit den Israeliten aus dem Aufstand der Jakobiter heimkehrenden Judas [»See the conq’ring hero comes« – »Seht, der preisgekrönte Held…«].)

Alexander Will und Friedrich Thomas sind ein bestens aufeinander eingespieltes Duo und gaben dem (beinahe) Gartenkonzert nicht nur einen romantischen, sondern auch modernen (Schulhoff) Charakter und hauchten den Werken damit Leben ein. Womit sie ganz dem Ansinnen des Musikfestes – Werke zu beseelen und wiederzuentdecken – entsprachen und bewiesen, wieviel Seele es noch zu entdecken gibt. Die Neugier des Publikums wurde schließlich mit einer Zugabe eines weiteren Komponisten der Region, Paul Umlaufts, befriedigt.

Weitere Informationen zum Verein »STRASSE DER MUSIK« und zum Musikfest »Unerhörtes Mitteldeutschland« unter: http://www.unerhoertes-mitteldeutschland.de/.

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