Luftiger C. P. E. Bach, sanfter Britten, leichter Dvořák

Sommer, kurz vor Ferienbeginn. Hitze, Aufregung, Urlaubsvorbereitung, Ausgelassenheit. Viele Konzertveranstalter richten ihr Programm auf den Saisonabschluß und die bevorstehenden Ferien ein. Serenaden und Freiluftkonzerte, Picknicks und »Open Air« haben Hochsaison. Gleichzeitig geben in diesen Tagen viele Nachrichten zu Sorge Anlaß. Niemand scheint zur Ruhe zu kommen, vieles ist laut. Doch Ruhe, eine geradezu friedliche Stille, war am vergangenen Donnerstag in der Semperoper zu erleben. Der Tonkünstlerverein gab sein achtes und damit letztes Kammerkonzert in dieser Saison.

Zu Beginn spielten die Musiker der Staatskapelle und ihre Gäste zwei Trios des Jubilares Carl Philipp Emanuel Bach – ein Werk aus der mittleren Schaffensperiode des Komponisten für zwei Flöten (Andreas Kißling, Bernhard Kury) und Basso continuo (Tom Höhnerbach, Claudia Pätzold) in E-Dur (Wq 162) sowie eines aus seiner Jugendzeit für Flöte (Andreas Kißling), Violine (Susanne Branny) und Basso continuo in C-Dur (Wq 147). Schon hier »entschleunigten« die Musiker. Leichtigkeit war das Maß für Dynamik, Lautstärke und Tempo. Die Flöten konnten einen ganz natürlichen Ton entfalten, ohne je forciert zu wirken und wurden ganz sacht dabei untermalt. Fein und silbrig glänzte das Cembalo (Claudia Pätzold). Das am Abend zuerst gespielte spätere Werk aus der »flötenlastigen« Zeit Carl Philipp Emanuel Bachs am Hofe Friedrich II. braucht zwei virtuose Solisten, die als »Carl Philipp Emanuel« und »Friedrich« brillieren. Sein offener Schluß erinnert ein wenig an Mozarts Violinkonzert A-Dur.

Doch nicht nur die aktuellen Jubilare, auch jene der letzten Jahre werden nicht vergessen, und so hatte sich ein weiteres Werk Benjamin Brittens auf dem Programmzettel wiedergefunden. Seine »Phantasy« für ein Oboenquartett entzieht sich einer genauen Kategorisierung, enthält Elemente eines klassischen Quartettes, aber auch solche der zu Henry Purcell Zeiten für die damals populären Gamben-Consorts beliebten Phantasien. Céline Moinet (Oboe), Susanne Branny (Violine), Michael Horwath (Viola) und Daniel Thiele (Violoncello) trugen das berührend schöne Stück vor, welches mit seiner Sanftheit den ganzen Raum der Semperoper für sich gewann.

Den »Abschluß des Abschlusses« bildete nach der Pause Antonín Dvořák »Dumky-Trio«. Dieses, auf Melodien und Rhythmen der gleichnamigen Volklieder aufbauende Trio ist viel(ge)schichtig, beinahe episch. Eine Dumka erzählt ganze Geschichten und ist oft balladenhaft. Hiroko Kudo (Klavier), Yuki Manuela Janke (Violine) und Matthias Wilde (Violoncello) betonten den Erzählerton des Werkes, gaben mit Sanftheit und Ruhe dem Stück einen Grundton, um den herum sie die sechs Sätze wie Episoden, funkelnde Bilder, gestalteten. Sechs Geschichtenerzähler, die reihum ihre Fabeln vortragen. Den dem Dumky-Trio innewohnende volkstümlichen Ton brachte die drei Musiker vielgestaltig und lebendig, aber auch filigran zum Ausdruck.

Ein feiner Saisonausklang, leiser, nachdenklich, das tat gut.

Wolfram Quellmalz

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