Kammermusik trifft…

Nicht Originale waren es, welche die Streicher der Dresdner Philharmonie zum zweiten Kammerkonzert der Saison – dem ersten auf Schloß Albrechtsberg – präsentierten, sondern Bearbeitungen und eine frühe Fassung.

Fugen und Kontrapunktik gehören zu den Grundfesten der Musik, die zu allen Zeiten von Komponisten aufgegriffen wurden und werden. Auch Wolfgang Amadeus Mozart studierte zum Beispiel die Werke Johann Sebastian Bachs und führte die Fuge selbst mit Meisterschaft aus. So auch im Adagio und Fuge c-Moll, KV 546, deren zuerst entstandene Fuge zunächst für zwei Tasteninstrumente geschrieben war. Das in der aufgeführten Fassung 1788 (Hoffmeister, Wien) veröffentlichte Werk ist für zwei Violinen, Viola und Baß gesetzt und im Köchelverzeichnis mit »Streichorchester« vermerkt – also kein »Streichquartett«. Zwar in Streichquartettbesetzung, mit Anna Fritzsch als Primaria, klang das Werk auch nicht nach jenem Gleichklang der Stimmen, wie wir ihn von Quartetten erwarten. Im Gegenteil – und das gilt für den ganzen Abend – schaffen gerade die verschobenen Proportionen Anreiz, treten einzelne Stimmen betont hervor und dominieren streckenweise, ohne wirklich solistisch zu werden. Im Adagio war es Ulf Prelles Cello, dem als nächstes die Viola (Christina Biwank) folgte. Der erste Teil des Abends begann dunkel, die Musik schien »von unten« zu kommen – noch klangen das Violoncello und die ihm folgenden Kollegen düster-beklommenem mit aufgeladenem »da-da-daa«. Diese Spannung löste sich zur Uraufführung vermutlich mit Carl Philipp Emanuel Bachs Oratorium »Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu« auf, deren Einleitung der gleichen Stimmung entspricht, am Mittwoch führte Richard Strauss‘ »Metamorphosen« sie zunächst weiter. Erst 1990 wurde der Entwurf des berühmten Orchesterwerkes gefunden, der mit sieben Streichern auskommt. Dräuend, mahnend, ein Rückblick in Schmerz, so scheint diese Musik – der (Rück-)Blick des Komponisten auf das zerstörte Land (?). Und auch dieses Septett ist kein Septett im gewohnten Sinne. Violinen (Anna Fritzsch, Christiane Liskowsky) und Violen (Christina Biwank, Harald Hufnagel) flankierten die Violoncelli (Ulf Prelle, Friedemann Herfurth) und den Baß (Bendikt Hübner) und tragen mit Wehmut Klagen vor. Dicht verwoben waren die sieben Musiker und gaben Strauss‘ Musik schon fast sinfonisch all den Schmerz mit, der im unwiederbringlich verlorenen steckt, aber auch die Hoffnung und den Mut des Beginnens. So endete der erste Teil in bedenklicher Zuversicht.

Nach der Bearbeitung und der Entwurfsfassung folgte schließlich eine Bearbeitung-Bearbeitung der »Sinfonia concertante« (KV 364) Wolfgang Amadeus Mozarts. Csaba Erdélyi hatte das von einem anonym gebliebenen Kollegen erstellte Streichsextett noch einmal angepaßt. Der erste Schritt war nicht zuletzt pragmatischen Gegebenheiten gefolgt – in der Zeit vor den Audioaufzeichnungen war es üblich, die Musik der Opern und Konzerte auch in kleinen und Kleinstbesetzungen zu spielen, um sie überhaupt hören zu können. Doch auch die Hörgewohnheiten und Moden ändern sich. In der nun aufgeführten Fassung vermischen sich Elemente des Streichsextetts mit jenen der Sinfonia concertante, gab es kammermusikalischen Streicherklang, fanden sich aber auch Anna Fritzsch und Christina Biwank in einem glänzenden Duett der Konzertstimmen.

11. Dezember 2014, Wolfram Quellmalz

Der 2. Kammerkonzert der Dresdner Philharmonie ist noch einmal am Sonntag (14. Dezember) 19:00 Uhr auf Schloß Albrechtsberg zu erleben.

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