Rosenkavalier, die 63. – oder: Ist denn jetzt schon Weihnachten?

Soile Isokoski, Daniela Sindram, Daniela Fally, Anne Schwanewillms, Elina Garanča, Anna Prohaska… Sie alle waren in den letzten Jahren schon im Dresdner »Rosenkavalier« zu erleben. Mit den drei Vorstellungen im Advent können die Opernfreunde dieser Reihe nun Anja Harteros, Sophie Koch und Christiane Karg zuordnen. Am Pult Christian Thielemann (»Der Sohn des Komponisten höchstselbst«, wie ihn Thomas Hampson anläßlich eines Liederabends kürzlich nannte)…

Am 29. Oktober 2000 hatte die Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg (Bühne: Christoph Schubiger, Kostüme: Jessica Karge) ihre Premiere, kommt also langsam in die Jahre (es war die 63. Vorstellung). Doch obwohl ich sie gar nicht so sehr schätze, diese lange oder ewig laufenden Inszenierungen, die beim Publikum gut ankommen (Theater sollte mit der Zeit gehen und diese spiegeln), ist die Staubschicht bei diesem Rosenkavalier noch so dünn, daß sie Christian Thielemann schon beim ersten Heben des Taktstockes wegbläst. Ja – kaum ein anderer Anfangsakkord bzw. -tusch hat wohl diese Wirkung! Denn natürlich sitzen sie da alle zusammen: nicht nur die Musik-, nein, die Strauss- und Thielemannfreunde, die eigentlich jeden Tag einen »Rosenkavalier« ansehen könnten. Und alle, alle werden sie elektrisiert von dieser Musik und diesem Orchester, das Strauss jeden Abend wieder auferstehen zu lassen vermag. Staub? Wenn man Christian Thielemann in seinen Glanzrollen erlebt, seinen Paradestücken, wie er mit Mühelosigkeit diese Eleganz, diesen Strom, diese Wucht heraufbeschwört, das ist einfach phaszinierend. (Elke Heidenreich schrieb einst in ihrer Semper!-Kolumne von »König Christian der Prächtige«.) Die 63. Vorstellung? Na und? Routine? Die muß da sein, wo jetzt der Staub ist…

Magische Abende sind das, auch deshalb, weil sie die besten Sänger anziehen, ob sie nun aus der Ferne anreisen oder zum Haus gehören. Anja Harteros‘ Feldmarschallin steht in der Blüte ihrer Jahre und muß kein Jota vergangen Jugend ausgleichen. Sie ist welt- und lebenserfahren, milde und weise, aber sie ist es auch, die letztendlich entscheidet, fordert, freigibt. Das Attribut »grandios« hat zu wenig Glanz, zu beschreiben, was Anja Harteros sängerisch und spielerisch bewältigt. Diese Stimme – an Glanz und Ausdruckskraft gibt es derzeit niemanden, der ihr etwas vormachen könnte.

Sophie Kochs Octavian ist keck und vorwitzig, aber – eben doch unerfahren – auch (noch) verschämt und schüchtern. Diese Entscheidung (Feldmarschallin? Sophie?) bedeutet einen inneren Kampf! Und Christiane Kargs Sophie gibt das junge naive Mädchen nicht vor – sie ist es. Polternd und grob kann da Peter Roses Ochs nur den einen Trumpf spielen – seine Bauernschläue. Nützen wird es ihm am Ende nichts – die Feldmarschallin entscheidet.

Dieser Rosenkavalier ist ein Fest, eines der Sänger, aber auch eines des Schauspieles. Und das nicht zuletzt, weil sich das Geschehen auf der Bühne (und im Graben) nicht nur auf die Musik und die »zugekauften« Stars verläßt, sondern weil Musik und Handlung dicht verwoben und bis zum großartigen Opernchor (Wolfram Tetzner) von allererster Güte sind. Ob Adrian Eröd als Patriarch Faninal, Yosep Kang – eine Edelbesetzung des Sängers, Simon Esper und Tom Martinsen als die zwei Haushofmeister (der eine gediegen, der andere prächtig) oder Peter Lobert als regelstrenger Polizeikommissar. Aufführungen wie diese, wünscht man sich, sollten eine Gütesiegel »Semperoper« prägen.

15. Dezember 2014, Woilfram Quellmalz

»Der Rosenkavalier«, noch einmal zu erleben am 21. Dezember.

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