Weihnachtliches aus dem »alten Sachsen«

Ludwig Güttler hatte am Freitag und Sonnabend vor dem vierten Advent in die Frauenkirche geladen. Neben den drei »an Trompetenpartien reichen Kantaten« (Programmheft) 1, 3 und 4 aus dem Weihnachtsoratorium Johann Sebastian Bachs stand vor allem Gottfried August Homilius‘ »Die Freude der Hirten über die Geburt Jesu« im Mittelpunkt.

Homilius, am 2. Februar 1714 in Rosenthal geboren, wirkte vor allem in Dresden, wo er ab 1742 Organist der Frauenkirche gewesen ist und von 1755 bis zu seinem Tode 1785 als Kreuzkantor auch für die Musik an den drei Hauptkirchen der Stadt verantwortlich war. Zu Lebzeiten und auch noch danach hochgeschätzt, geriet er in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Vergessenheit. Das Homilius-Jahr hat (hoffentlich) dazu beigetragen, diesen Mißstand wieder ein wenig zu korrigieren. Der Schweizer Musikpädagoge (1773 bis 1836) urteilte noch 1826 in seinen »Vorlesungen über Musik«: »Er aber, Homilius, war der erste, der dem deutschen Wort in seinen Chören die Kraft zu geben vermochte, die den Chor zu einem noch weit geistigerem Kunstprodukt erhebt, als selbst die J. S. Bach’sche Fugenkunst für sich allein vermag. Auch in seinen Fugen ist das Wort vorzüglich gut behandelt; in seinen nichtfugierten Chören aber tritt es noch bedeutender hervor«.

Homilius‘ Oratorium ist stimmungsreich. Das Sächsische Vokalensemble sowie die Instrumentalisten und Solisten zeichneten es farbenprächtig (»…freudig danken wir dir…« wurde vom Chor auch freudig gesungen), doch hätte das Werk es auch verdient gehabt, nicht die Lücke der ausgelassenen zweiten Kantate Bachs zu schließen, sondern einen eigenen Programmschwerpunkt zu bilden. Es bleibt zu hoffen, daß – nicht nur, aber vor allem an den ehemaligen Wirkungsstätten Homilius‘ – nach dem Jubiläumsjahr weitere Werke aus seiner Feder aufgeführt werden. Wie man 2014 vielfach erleben konnte, sind seine mehrchörigen Stücke von großer Kunst und Wirkung, gibt es aber auch zahlreiche andere Werke, wie Konzerte, die wiederentdeckt werden wollen.

Hauptwerk des Abends und »Magnet« natürlich, war Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium BWV 248. Dem einen oder anderen Sänger merkte man ein wenig an, daß die Musik in der Adventszeit auch Kraft kostet (diese Kritik entstand nach der zweiten Aufführung des Konzertes), dennoch verfehlt das Werk seine Wirkung nicht. Besonders sind der warmherzige Alt Annekatrin Laabs‘ und Uwe Sickert zu nennen, der als Evangelist seinen lyrischen Tenor, gleichzeitig aber auch eine große Durchdringlichkeit entfaltete.

21. Dezember 2014, Wolfram Quellmalz

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