Konzert für Cembalo und Hammerflügel

Dresdner Hofmusik in der Schloßkapelle mit außergewöhnlichem Instrumentarium

Das achtzehnte Jahrhundert brachte neben seiner Musik auch interessante Instrumente hervor. Schon Ende des siebzehnten hatte Bartolomeo Cristofori das »Gravecembalo col piano e Forte« erfunden, in den folgenden Jahrzehnte sollten zahlreiche Spielformen von Kiel- und Hammerklavieren folgen, mit Namen wie Tangentenflügel, Cymbalum, Pandaleon-Clavier Clavichord und vielen weiteren mehr. Spieler wie Komponisten hatten ausgeprägte Vorlieben für die verschiedenen Flügel, welche die Saiten zupften oder anschlugen, und setzten sie nach Raum oder Situation ein. Die Bauformen blieben lange Zeit in ihrer Vielfalt erhalten, bevor erst im neunzehnten Jahrhundert das moderne Klavier bzw. der moderne Flügel entstand und Kielflügel wie das Cembalo zu verdrängen begann.

Einhundert Jahre zuvor jedoch war der unterschiedliche Klang noch geläufig und gewünscht. So ist es nicht verwunderlich, daß es sogar kombinierte Instrumente gegeben hat. Johann Andreas Stein, einer der berühmtesten Klavierbauer des achtzehnten Jahrhunderts, hat zahlreiche »Vis-à-vis»-Flügel angefertigt.

Wie ein Konzert mit Cembalo und Tafelklavier vielleicht geklungen hat, war am Sonntag in der Dresdner Schloßkapelle mit dem Leipziger CembaloDuo zu erleben. Michaela Hasselt und Hildegard Saretz haben sich mit Werken und Instrumenten des achtzehnten Jahrhunderts auseinandergesetzt und Musikbibliotheken durchstöbert. Dabei fanden sie auch die Musikaliensammlung Friedrich Augusts III. in der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek. Aus diesem Fundus hatten die beiden Cembalistinnen Werke zusammengestellt, die den meisten Zuhörern zum großen Teil unbekannt gewesen sein dürften. Einerseits, weil es sich um Bearbeitungen für den privaten Gebrauch Friedrich Augusts handelte, andererseits, weil Komponisten wie Johann Gottlieb Janitsch oder Christoph Nichelmann auch Alte-Musik-Freunden nicht unbedingt bekannt sind.

Zunächst fiel die ungewöhnliche Instrumentenkombination vor allem durch die speziellen Ausprägungen in Klang und Charakter auf. Gerade im »Quartetto VI« von Janitsch schienen alte (das perkussivere Cembalo) und neue Welt (die größere Sanglichkeit des Tafelklavieres) aufeinanderzutreffen. Beide Instrumente erklangen jeweils gleichberechtigt, das heißt dem Cembalo war keine Basso-continuo-Funktion zugewiesen. Etwas bekanntere Gefilde berührten Michaela Hasselt und Hildegard Saretz mit Leopold Hofmanns »Concerto à Due Cembali concertante« C-Dur und Carl Philipp Emanuel Bachs Concerto G-Dur Wq 43 / 5. In Gestaltung und Gestus waren die Werke allesamt sehr unterschiedlich und zeigten den musikalischen Reichtum vor allem der »empfindsamen« Zeit. Mit dieser Musik haben die beiden Musikerinnen einerseits den Raum der Kapelle reich gefüllt, andererseits aber auch zahlreiche Klangfarben gefunden. Trotz aller bereits bestehender Konventionen sind die Werke des achtzehnten Jahrhunderts noch recht frei, was sich auch in Satzfolgen und Tempobezeichnungen (so bei Hofmann: »Tempo giusto« etwa »im richtigen Tempo«, also auch passend zum gewählten Instrument) niederschlug. Musikalische Ideen, Originalität und »Plaisir« wurden also offenbar höher geschätzt als eine ausgeklügelte Struktur der Werke. Und so finden sich beim Bachsohn Carl Philipp Emanuel auch musikalische Neckereien bzw. Fragespiele, wie sie später Joseph Haydn gerne verwendet hat.

Mit Franz Xaver Duscheks Sonate G-Dur schloß das Programm vergnüglich – einem Spaß war der menschenscheue Friedrich August wohl nicht abgeneigt.

Auf das ohnehin kurzweilige Programm, das die beiden Cembalistinnen mit kurzen erläuternden Texten ergänzt hatten, folgte eine Zugabe Joseph Schusters. Der 1748 geborene Dresdner Komponist hat die »Schütz-Kapelle« nicht mehr erlebt, da der Raum nach der Konversion des Hofes bereits 1737 umgebaut worden war. Auch »Der Teufel tanzt mit der Schwiegermutter« dürfte also zum ersten Mal an diesem Ort erklungen sein.

15. Juni 2015, Wolfram Quellmalz

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