Erste Begegnung der Künste 2016

Zur Sonderausstellung »August Hudler in Dresden«

Zur ersten »Begegnung der Künste« des Jahres, die 265. seit Bestehen der Reihe, luden die Freunde der Dresdner Galerie Neue Meister e. V. am Sonnabend in den Lichthof des Albertinums. Im Mittelpunkt stand diesmal August Hudler und vor allem dessen Skulptur »Der Dengler«, welchen sechs andere Werke sowie ein Vortrag ergänzten. August Hudler, der 1905 37jährig in Dresden verstarb, als sein Talent eben zu erblühen begann, wäre beinahe vergessen worden. Auch hier, wo der nahe Dachau geborene seit 1900 gelebt hatte. Seine kraft- und lebensvollen Arbeiten stehen zwischen Jugendstil und Moderne, greifen aber auch (heroische) klassische Stilelemente der Antike auf, wovon unter anderem die Figurengruppe am Altar der Strehlener Christuskirche zeugt. Seinen versunkenen-konzentrierten Dengler gibt es neben weiteren Skulpturen und Entwürfen noch bis zum 30. März im Klingersaal zu bestaunen, wohin zum Abschluß der »Begegnung« auch das Publikum gebeten wurde. In das Staunen hinein erklang das lebensvolle, fließende Lento aus dem Streichtrio D-Dur des Freiberger Komponisten Ernst Naumann.

Schon zuvor waren einzelne Sätze aus Streichtrios erklungen, wie das Larghetto aus Max Regers op. 77a, 1904 – ein Jahr vor Fertigstellung des »Denglers« – komponiert. Zu jener Zeit hatte Reger eine recht »wilde« Phase und erschreckte sein Publikum durchaus gehörig mit gewagten und übervollen polyphonen Einfällen. Anders in seinem Trio, das klassisch konzipiert ist und warmherzig, fein und aufstrebend das Ohr durchaus schmeichelt. Struktur, Bewegung und Fluß waren den Musikstücken des Abends gemein, also Attribute, die sich auch in der Bildenden Kunst und August Hudlers Skulpturen wiederfinden lassen.

Annette Roth (Violine), Götz Bergmann (Viola) und Ulrich Thiem (Violoncello) sind nicht nur in der klassischen Musik zu Hause, sondern ebenso im Jazz oder in Tanzorchestern. Gemeinsam musizieren sie auch als »Bach & Blues Dresden«. Ulrich Thiems »Geteilte Freude« mit Anklängen südamerikanischer Rhythmen und singender Violinstimme zeugte davon.

Doch auch andere Künstler, die aus Dresden stammten oder hier wirkten, gilt es (wieder) zu entdecken, wie den Komponisten Herbert Viecenz. Seine Variationen aus »Die Kunst des Kontrapunktierens« beginnen abendlich-sinnend und gehen dann in eine Folge von Bearbeitungen des Choralthemas »Wie soll ich dich empfangen« über, wobei der Komponist hier nicht nur mit Stimmung und Charakter gespielt hat, sondern auch das Motiv stark veränderte. Die drei Musiker betonten den sanglichen Gehalt, arbeiteten aber auch die kontrapunktische Struktur heraus – so wie die Konturen einer Skulptur im Licht hervortreten.

Zwischen den Musikbeiträgen und einem Vortrag zur Person und dem Werk August Hudlers (Astrid Nielsen) las Olaf Hörbe von den Landesbühnen Sachsen, der schon wiederholt die »Begegnung« begleitet hat, Hermann Hesses »Aus der Werkstatt« und Émile Zolas »Der Schmied«. Bezüge – Begegnungen – zwischen den Werken des Abends ließen damit nicht nur in den Lebensläufen der Künstler, sondern auch in den von ihnen aufgegriffenen Themen wiederfinden.

31. Januar 2016, Wolfram Quellmalz

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