Aufführungsabend zum Kennenlernen

Klarinettenkonzert von Aaron Copland mit einem Kapellsolisten

Häufig nutzt die Sächsische Staatskapelle Aufführungsabende, um neue Dirigenten einzuladen oder Orchestermitglieder als Solisten vorzustellen. Am Dienstag tat sie beides: Antonio Méndez gab sein Debut am Pult, Robert Oberaigner, seit 2013 bei der Kapelle und dort Soloklarinettist, bekam Gelegenheit, sich mit einem Konzert Aaron Coplands zu präsentieren und »auszutoben«. Das Stück, hierzulande eher selten zu hören und sicher nicht Teil des Orchesterkernrepertoires, hatten Méndez und die Kapelle mit zwei Werken flankiert, die nach Gewohnheit und Schwerpunkt die »sichere Seite« markierten.

Mit der zweiten »Leonorenouvertüre« Ludwig van Beethovens gab Antonio Méndez hinsichtlich der Interpretation sowie des Umgangs mit dem Orchester eine Visitenkarte ab. Die feine Zeichnung scheint ihm zu liegen, die Behandlung einzelner Stimmen, das hörbarmachen – wobei er sich (ebenso wie bei Schubert) natürlich auf die Musiker verlassen kann – mit Streichern (Konzertmeister Federico Kasik), die aus leisem Pianissimo emporzuschweben verstehen, Bläsersoli trägen, Flöten und Fagotte, die ihren schimmernden Klang darüberlegen. Schön, daß der Dirigent für seine Nachzeichnung der Oper so stark differenzierte und das Maß der Steigerungen »unten« anlegte, also am Ausgangspunkt nahm, am leisen. Ganz offensichtlich wollte Antonio Méndez die Ouvertüre dramatisch zugespitzt gestalten, allerdings gerieten einige Verzögerungen lang, so daß Pausen entstanden, die den Fluß durchbrachen.

Mit Aaron Coplands Konzert für Klarinette, Streicher, Harfe und Klavier betraten Robert Oberaigner und die Staatskapelle für viele Zuhörer Neuland. Ursprünglich von Benny Goodman in Auftrag gegeben, wollte dieser das Konzert zunächst gar nicht spielen, auch nicht in einer »entschärften« Fassung – zu schwierig war das Werk geworden, und zu »klassisch« für Goodman, obwohl wenn es einige Jazz-Elemente enthält. Entgegen der Hörerwartung beginnt es ganz impressionistisch mit einem melodischen, rhapsodischen Walzer, der eher an Satie oder Debussy erinnert als an Jazz – für Robert Oberaigner zunächst Gelegenheit, die sanglichen Qualitäten seines Instrumentes vorzuführen und sich warmzuspielen. Denn mit einer Kadenz zum Ende des Satzes beginnt die »Halsbrecherei« für den Solisten, danach geht es in den abschließenden zweiten »Rather fast«, der sich als wilder Tanz durch die Elemente der Musik erweist. Nord- und Südamerika hat Copland hier ebenso vereinigt wie die moderne klassische Musik um Elemente des Jazz bereichert. Für die Klarinette ist es ein virtuoser Parcours, den Robert Oberaigner intonationssicher und ausdrucksstark meisterte. Nach der brillanten Darbietung gab es denn viel Applaus – und die Blumen vom Kapellkollegen Wolfram Große überreicht.

Mit Franz Schuberts vierter Sinfonie befand sich das Orchester anschließend wieder in gewohntem Gefilde, auch hier mit einem detailverliebten Antonio Méndez, der einen verführerischen Klang aus feinen Streichern und Bläsern wob. Immer wieder sorgte er für treffende Effekte, als die Fagotte beispielsweise im dritten Satz den Klang aufrauhten. Etwas mehr Gelassenheit kann man dem Dirigenten vielleicht noch wünschen (vierter Satz), etwas weniger Betonungen, die sich über den Kern erheben. Die Geschmeidigkeit des Orchesters wußte Antonio Méndez zu nutzen – da ist das letzte Wort sicher nicht gesprochen.

3. Februar 2016, Wolfram Quellmalz

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