Oper ohne Grenzen

Konzert für eine offene Kultur

Einen Zusammenhalt und eine gemeinsame Haltung wollen die Opernhäuser demonstrieren, sagte der kommissarische Intendant Wolfgang Rothe in seiner Begrüßung. Diese Haltung geben sie in einem Konzertring Ausdruck, der noch in Leipzig, Frankfurt am Main, Düsseldorf und Berlin Station machen wird, mit Sängern aus diesen Häusern, aber auch aus Hamburg, Köln, Zürich und Duisburg. Neunzehn waren es am Freitagabend in der Semperoper, dazu der Sächsische Staatsopernchor und drei Dirigenten.

Sie alle haben die Termine zusätzlich in die Spielzeit aufgenommen, wohl deshalb hatte man sich auf Stücke aus dem gängigen Opernrepertoire beschränkt. Für das Publikum bedeutete der Abend, daß es Verdis Rodrigo in unterschiedlicher Besetzung erleben konnte. So viel Sängerluxus hat aber auch einen Nachteil: meist einmalige Auftritte – eine Maria Dan oder Elena Tsallagova, einen René Pape oder Nathan Berg hätte man sich ein weiteres Mal gewünscht. Ebenso wäre eine etwas breiter und offener angelegte Stückeauswahl über die gewohnten Repertoiregrenzen hinaus dem Gedanken der »Oper ohne Grenzen« zuträglich gewesen.

Auf Seiten der Dirigenten hatte man sich zweier Gäste versichert, die durch Opern, Konzerte und CD-Aufnahmen eng mit der Staatskapelle verwachsen sind: Asher Fisch war für das italienische Fach zuständig (Verdi, Puccini), während Sebastian Weigle das deutsche (Mozart, Beethoven) übernahm sowie Tschaikowsky.

René Pape ließ seinen wunderbaren Baß (Arie des Filippo aus »Don Carlo«) mit Norbert Anger (Cellosolo) in einem berührenden Duett verschmelzen. Selbst zwei ärgerlich lautstarke Handystörungen konnten ihn in seiner Inbrunst nicht bremsen – seine Piani waren schlicht phantastisch! Auch Barbara Havemann (Arie der Elisabetta) sang ihr Solo im Ensemble: mit den Holzbläsern, vor allem den Flöten, und wunderbar dunkel abgetöntem Sopran, während Bogdan Bacius Rodrigo mehr Wärme verströmte als jener Christoph Pohls (der dafür aber in der Figaro-Schlußszene auftrumpfte). Im »Freundschaftsduetts« hatte es bei Massimo Giordano und Christoph Pohl aber auch deshalb einiger Kraft bedurft, weil Asher Fisch die Staatskapelle (diesmal auf der Bühne und nicht im Graben) allzu ungestüm losschießen ließ.

Für »Eugen Onegin« hatte Sebastian Weigle den Dirigentenstab übernommen. Nathan Berg gab seinem Fürsten Gremin zunächst noch einige stimmliche Rauhheiten mit, die aber mit dem Erblühen des Liebesbekenntnis an Tatjana geglättet wurden – fabelhaft! Ebenso fabelhaft war die ihn langsam und bedächtig begleitende Staatskapelle. Mit Mozart gewann der Abend danach an Charme, Lust und Spott, Iulia Maria Dan als Contessa d’Almaviva und Elena Tsallagova als Susanna waren hinreißend!

Und der dritte Dirigent? War Christian Thielemann, der mit dem Staatsopernchor (der schon mit Wenwei Zhang das Finale der Zauberflöte gesungen hatte) und dem um Konzertmeister Matthias Wollong erweiterten Quartett Camilla Nylund, Elisabeth Kuhlmann, Daniel Behle und Georg Zeppenfeld und dem »Sanctus« und »Benedictus« aus Beethovens »Missa Solemnis« einen Ausblick auf das Gedenkkonzert zum 13. Februar gab.

13. Februar 2015, Wolfram Quellmalz

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