Frühjahrskonzert des Haydn-Orchesters in der Dreikönigskirche

Seit 1952 finden sich im Haydn-Orchester Dresden ambitionierte Laien und professionelle Musiker oder ehemalige Profis zusammen, um gemeinsam Stücke der sinfonischen und konzertanten Orchesterliteratur zu erarbeiten. Ein Blick auf die Programmzettel der Vergangenheit offenbart nicht nur Stücke des Namensgebers, sondern auch solche Brahms‘, Mozarts oder Wagners. Von kleinen Werken und einem »Kammerorchester« kann hier also keine Rede sein. Der eigene Anspruch dokumentiert sich nicht zuletzt in modernen Werken bis hin zu Uraufführungen, die in den letzten Jahren realisiert worden sind. Immer wieder stehen dem Orchester dabei versierte Solisten zur Seite. Am vergangenen Sonnabend spielte Konstanze Heinicke, die zuletzt 2012 mit Felix Mendelssohns e-Moll-Konzert aufgetreten war, ein Violinkonzert Johann Michael Haydns.

Zu Beginn stand Ludwig van Beethovens »Coriolan-Ouvertüre« auf dem Programm. Auch wenn das Orchester Werke aus der Zeit Glucks und sogar Purcells bis heute spielt, gehört die Wiener Klassik in diesem weit gefächerten Repertoire doch zum Kern des Schaffens. Beethoven hat seine Coriolan-Charakterisierung prägnant formuliert, ebenso prägnant nahm sie GM Andreas Grohmann in Angriff, wobei der »Angriff« – ganz Beethoven‘scher Impetus – dem ganzen Stück innewohnt. Diesen zu entfesseln ist auch für Profis eine große Aufgabe, um so mehr muß man die Arbeit des Haydn-Orchesters würdigen.

An zweiter Stelle dann ein Haydn-Werk, eines des jüngeren der beiden Brüder diesmal, Johann Michael. Sein Violinkonzert B-Dur verlieh dem Abend nach dem düsteren Ende der Beethovenouvertüre einen freundlichen Charakter. Nun ohne Bläser, aber mit Cembalounterstützung, gelang den Musikern unter Andreas Grohmanns Leitung eine leichte, federnde Interpretation. Auch Haydns zweiter Satz, »Adagio« überschrieben, folgt einem tänzerischen Metrum und behält den freundlichen Charakter bei. Solistin Konstanze Heinicke, die mittlerweile in Wien studiert, fügte sich in das Orchester ein und unterstützte es auch – dem Konzertmeister zugewandt – in den ein- und ausleitenden Tutti. Ihren solistischen Part spielte sie mit samtweichem Ansatz und – besonders im zweiten Satz – mit hoher sängerischer Qualität. Haydn hat dem Solisten eine virtuose Stimme eschrieben, gibt ihm selbst im zweiten Satz Gelegenheit, mit einer Kadenz hervorzutreten. Konstanze Heinicke behielt bei all den Sprüngen und Wendungen eine natürliche Anmut, so daß sich ein glücklicher Gesamtklang aus Violine und Orchester einstellte.

Nach dem freundlichen Haydn folgte noch einmal Beethoven, nun aber in triumphierendem D-Dur. Und auch das Orchester – jetzt wieder in Maximalstärke – war hier spürbar noch mehr zu Hause, wovon gleich zu Beginn die Fanfaren des Allegros zeugten, aber auch die vielen einzelnen Stimmen und Soli der Bläser. Doch nicht nur wilde und grelle, auch liebliche Töne hat Beethoven seinem Werk eingepflanzt, auch diese arbeitete Andreas Grohmann wunderbar heraus.

Dafür gab es viel Anerkennung. Das Orchester bedankte sich bei seinem Publikum mit einem herrlich frischen – nein, nicht Smetana, Beethoven war es, der Türkische Tanz aus »Die Ruinen von Athen«.

6. März 2016, Wolfram Quellmalz

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