Mozart in Böhmen

Zwar nicht als explizit Philharmonisches Kammerorchester, aber dennoch in kammermusikalischer Besetzung trat die Dresdner Philharmonie am Wochenende im Hygienemuseum in auf. Mit Werken Jan Dismas Zelenkas, Leopold Koželuhs und Wolfgang Amadeus Mozarts orientierte sich das Programm im Titel nach Böhmen, immerhin hatten alle drei Komponisten Beziehungen dorthin. Zelenka, in Böhmen geboren, wurde in Dresden Hofkirchenkompositeur, der Böhme Koželuh verbrachte den Großteil seines Lebens in Wien. Und für Mozart (der ihn kannte) war Prag ein wichtiger Ort. Nicht nur »Don Giovanni« und »La clemenze di Tito« wurden hier uraufgeführt, Mozart schätzte Musiker wie den Komponisten Franz Xaver Duschek und dessen Frau, die Sängerin Josefa Duschek. Ersterer war übrigens auch ein Klavierlehrer Leopold Koželuhs, für letztere schrieb Mozart die Arien »Ah, lo previdi« (KV 272) und »Bella mia fiamma« (KV 528) – beide gehörten mit zum Programm der Philharmonie.

Für die beiden an Dramatik, Emotionen und Ausprägung reichen Stücke war die Römerin Raffaella Milanesi angereist, welche Mozart vermutlich auch zu betören gewußt hätte. Ihr fülliger, abgedunkelter Sopran ist geschmeidig, rund und gelangt mühelos in die Mezzo-Lage, gewinnt in der Höhe an silbriger Klarheit. So verband Milanesi präzise Artikulation und innige Rührung mit federnd-lerchenhaften Höhenflügen – ein ohrenschmeichlerischer Genuß, an dem man sich gerne noch mehr sattgehört hätte (wenn es denn überhaupt gelänge, sich »sattzuhören«). Nach den beiden »Konzertschmankerln« verwöhnte die Sopranistin ihr Publikum noch mit Susannas »Giunse alfin il momento« aus dem »Figaro«.

Die Philharmoniker spürten in der kleinen Besetzung mit dem Gast Bernhard Forck (Leitung und Konzertmeister) dem barocken Schwelgen nach, blieben stets filigran, mit leichtem, tänzerischen Schritt und herausragenden Bläsern, die bei Mozart als Gesangspartner angenehm hervortraten. Schon Zelenkas »Ouverture a 7 Concertanti F-Dur« (ZWV 188) begann mit gravitätischem Schreiten, woran sich gleich ein Dialog der ersten und zweiten Violine (Markus Gundermann) anschloß. Immer wieder überrascht Zelenka mit Umschwüngen, auch in Takt oder Tonart. Die Philharmoniker behielten stets ihre beschwingte Gangart bei und steigerten sich bis in ein fetziges Finale.

Und auch Leopold Koželuhs Sinfonie g-Moll  op. 22 Nr. 3 hatte jede Menge »Feuer«, aber ebenso ein wunderbares Adagio, bei dem man eigentlich – passend zwischen den Mozart-Arien – einen Sopran als Solist erwarten konnte. Diese Rolle übernahmen einmal mehr die Oboe, die Hörner, ein superbes Fagott…

4. April 2016, Wolfram Quellmalz

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