Musikpreis mit Nachhaltigkeit

Moe Nagashima gewinnt Szymon Goldberg Award

Seit 1999 gibt es an der Internationalen Musikakademie Meißen e. V. alljährlich Meisterkurse und Wettbewerbe, in der vergangenen Woche fand hier der seit 2009 bestehende internationale Wettbewerb Szymon Goldberg zum nunmehr achten Male statt. In den Anfängen noch auf das Instrument des einstigen Konzertmeisters der Dresdner Philharmonie konzentriert, nehmen seit dem vergangenen Jahr auch Violastudenten teil. Von der Nachhaltigkeit des Szymon Goldberg Awards zeugen die Lebensläufe der bisherigen Preisträger, welche sich anschließend als Meisterstudenten qualifizierten, bei anderen Wettbewerben Preise erzielen konnten oder erfolgreich ins Berufsleben wechselten. Oder – wie Sunhwa Lee in diesem Jahr – zur Jury gehörten. Die öffentliche Wahrnehmung und die in Musikerkreisen beweist aber auch eine Glückwunsch-SMS vom Intendanten der Berliner Philharmonie Martin Hoffmann am Sonntagmorgen.

Mit 23 Teilnehmern (bei einer deutlichen Überzahl der Teilnehmerinnen) war der Wettbewerb 2016 so gut besetzt wie noch nie. Zusätzliche fünf Studenten hatten sich auf die intensiven Meisterkurse konzentriert. Was alle lobten, war die familiäre und herzliche Atmosphäre. Kursteilnehmer und Dozenten wohnten in der Evangelischen Akademie Meißen unter einem Dach, da konnte man seinem Professor schon beim Frühstück Ratschläge entlocken – solch enge Zusammenarbeit gibt es nur hier. Daß es dennoch kein »nettes Beisammensein« war, sondern ein ernstzunehmender Wettbewerb, zeigte nicht zuletzt das Auswahlverfahren: die erste Runde war für fast 40 Prozent der Studenten schon die letzte. Nach dem Semifinale blieben noch neun für das Finale, die sich auch alle zum Preisträgerkonzert am Sonntagmorgen im Rathaussaal Meißen vorstellten – zunächst noch ohne Bekanntgabe der Gewinner, denn die zahlreichen Zuhörer sollten nicht nur unvoreingenommen genießen, sondern außerdem einen Publikumspreis bestimmen. Jannis Rieke (Deutschland) ließ zwei Papillons des Dresdner Komponisten Manfred Weiss erst träumend, dann verliebt gaukeln, Jooeun Lee aus Korea betörte mit dem Adagio aus Bachs erster Violinsonate, Juniorin Sophie Wang aus Taiwan trumpfte mit einer blitzsauberen und schönen Caprice Niccolò Paganinis auf. Den größten Eindruck machte aber Moe Nagashima aus Japan mit Franz Waxmanns Carmen-Phantasie – neben dem Hauptpreis, dem »Szymon Goldberg Award«, durfte sie auch den Publikumspreis mitnehmen.

Bei den Junioren gewann Eliane Menzel aus Deutschland, die außerdem für die beste Interpretation des Werkes eines Dresdner Komponisten gekürt wurde. Außer Geldprämien und Warengutscheinen wurden Stipendien für Kurse in Meißen und Projekte der Jugendkammermusik Berlin vergeben. Moe Nagashima, Eliane Menzel und Gueli Kyuri Kim aus Südkorea dürfen sich aber auch über eine Konzerteinladung zu den Schubertiaden Schnackenburg freuen. Ein besonderer Dank ging nicht nur an die Dozenten der Meisterkurse, sondern auch an die Pianisten. Dariya Hrynkiv, Andreas Hecker und Go Kato waren nicht nur unverzichtbare Stütze, sondern auch wichtige Partner der jungen Musiker – ganz im Sinne Szymon Goldbergs, welcher der Kammermusik stets verbunden blieb. Davon zeugen noch heute Aufnahmen wie jene der Mozartsonaten mit Klavierpartner Radu Lupu von 1974, die nach wie vor Referenz-Qualität haben. Pianisten bzw. Korrepetitoren sind also viel mehr als nur »Begleiter«.

Man darf also gespannt sein auf den Jahrgang 2017. Dann wird der Wettbewerb vom 18. bis zum 23. April wieder in Meißen stattfinden. Übrigens: die Überraschungs-SMS der Berliner Philharmoniker war mit einer Einladung für ein »Lunch-Konzert« verbunden.

1. Mai 2016, Wolfram Quellmalz

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