Sonaten für Violoncello und Klavier im Cosel-Palais

Peter Naryshkin und Hyoung-Joon Jo mit Beethoven, Schumann und Mendelssohn

Die beiden Musiker kennen sich vom Studium an der Dresdner Hochschule für Musik. Der eine (Naryshkin) hat eine Ausbildung als Pianist bei Prof. Arkadi Zenzipér mittlerweile abgeschlossen, der andere (Jo) die seine bei Emil Rovner ebenso. In der Studienzeit waren beide bereits mehrfach Kammermusikpartner, auch in Hyoung-Joon Jos Abschlußprüfung. Der Cellist lebt mittlerweile in Wien und konzentriert sich auf seine Rolle im Abel Quartett.

Am Freitag fanden Peter Naryshkin und Hyoung-Joon Jo nach einiger Zeit wieder einmal in einem Konzert zusammen. »Vienna Classic« hatte dazu eingeladen, auf dem Programm standen drei Meilensteine der Celloliteratur: Ludwig van Beethovens vierte Sonate (C-Dur), Robert Schumanns Phantasiestücke Opus 73 sowie Felix Mendelssohn Bartholdys Sonate in D-Dur (Opus 58).

Beethovens Opus 102 Nr. 1 ist für seine Zeitgenossen nicht weniger unverständlich oder gar verstörend gewesen als viele seiner Werke in dieser Zeit (1815) und später. Schon die Anlage mit nur zwei Sätzen in der Folge Andante – Allegro vivace, Adagio – Allegro vivace weicht sie stark von der üblichen Sonatenform ab, erinnert an Beethovens in Werken wie der Sonata quasi una fantasia gefundenen freieren, fast schon improvisatorischen Umgang mit den Gattungen. Peter Naryshkin und Hyoung-Joon Jo näherten sich dem Werk mit großer Ausgewogenheit und ließen im zweiten Satz ein inneres Sehnen fühlbar werden.

Wie anders, freier, freundlicher, weniger mit der Form ringend, sind da Robert Schumanns Phantasiestücke. Mit Wärme begann das Andante sehr dezent, verliehen die Musiker dem zweiten der Stücke aber auch zunehmend fiebrige Lebhaftigkeit, die Peter Naryshkin und Hyoung-Joon Jo zu beflügeln schien. Nicht nur eine große Gesanglichkeit, ebenso Schattierung und Konturen gaben sie dem Werk. Zu der großen Sanglichkeit des Werkes gehört eben auch ein ausgewogener Baß – die Phantasiestücke sind keine zärtlichen Romanzen, sondern erfordern nicht wneiger »Feuer« – das hatten sie.

Noch näher am Lied bzw. am Lied ohne Worte ist Felix Mendelssohn Bartholdy in vielen seiner Kompositionen. Seine zweite Cellosonate ist gleich im ersten Satz Allegro assai vivace ein Beispiel dafür. Jos Bogen hüpfte in federndem Vivacissimo, mit großer Leichtigkeit steigerten sich beide Pianist und Cellist gleichermaßen zu musikalischem Jubel. Während das Cello singend beeindrucken durfte, erinnerte der Klavierpart häufig an die brillanten Konzerte Mendelssohns. Um so beeindruckender geriet das Adagio an dritter Stelle, das diesem Furor die Romanze eines Nocturnes entgegensetzte.

Als Zugabe spielten Peter Naryshkin und Hyoung-Joon Jo – noch einmal die Gesangsstimmen hervorhebend – Sergej Rachmaninows »Vocalise«.

4. Juni 2016, Wolfram Quellmalz

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