Solisten des Gewandhausorchesters in Markkleeberg

Schumann und Dvořák im Lindensaal

Das Programm der Markkleeberger Lindensaalkonzerte am Sonntagnachmittag hatte kurzfristig geändert werden müssen, nachdem Pianist Jacques Ammon nach einem Fahrradunfall nicht spielen konnte. Somit entfielen leider auch zwei ungewöhnliche Werke, die speziell mit ihm erarbeitet worden waren: ein Sextett des Jubilars William Sterndale Bennett sowie »Pohádka« von Leoš Janáček.

Yuka Kobayashi war für den verletzten Kollegen eingesprungen, so daß der herrliche Bösendorfer dennoch erklingen konnte – in Robert Schumanns Quintett Opus 44. Das in Leipzig uraufgeführte Werk stellt den Pianisten zwar streckenweise heraus, sorgt aber auch für eine dichte Verschmelzung mit den Streichern. Schumanns Farbenreichtum paßt wunderbar zum alten Flügel, an dessen üppigen Klang sich Sebastian Breuninger, Yun-Jin Cho (Violinen), Alice Wedel (Viola) und Christian Giger (Violoncello) annäherten. Hochromantisch, süffig, nervös funkelte das Allegro brillante, um im zweiten Satz – zumindest vorübergehend – Beruhigung zu finden, doch gleich mehrfach schwenkt dieser in der Stimmung um. Voller Zartheit beginnend, konnten Spieler und Zuhörer Atem schöpfen, bevor sich der Himmel zu verdüstern schien, um gleich darauf – Agitato – wieder in lieblichere Gefilde zurückzukehren. Die Gewandhaussolisten streuten musikalische Sommerblüten aus. Das Scherzo nahm zunächst den Energiestrom des Allegros wieder auf, bevor die fünf Musiker den Schlußsatz voll Ausgelassenheit, nun aber nicht mehr drängend, sondern rhythmisch schwingend und mit glühender Intensität zeichneten.

Antonín Dvořáks »Amerikanisches Quartett« folgt romantischen Spuren, hat aber auch Intensität, ist aufgeladen mit Stimmung und Natur. Gleich zu Beginn scheinen Vögel zu singen, doch vermischt Dvořák auch klassisches mit amerikanischer Folklore. Im zweiten Satz (Lento) gelang vor allem das Gegenüber der beiden Violinen fein, während der dritte (Molto vivace) besonders volkstümlich war. Die Gewandhausmusiker ließen aber noch genug Raum für eine imposante Steigerung im Finale.

Viel ruhiger erklang danach Antonín Dvořáks »Notturno« Opus 40, nun mit Karsten Heins am Kontrabaß. Wiegend zunächst das begleitete Violoncello und der Baß, während die drei hohen Streicherstimmen in Duetten und im Trio sangen. So geriet das Werk zum charmanten Nachtstück, das sich am Ende in Luft aufzulösen schien.

Bereits nach Schumann und Dvořáks Quartett hatte es viele »Bravi« gegeben. Nach einem Walzer (noch einmal Dvořák) als Zugabe verlies ein hochzufriedenes Publikum dann den Lindensaal.

13. Juni 2016, Wolfram Quellmalz

Das nächste Konzert der Reihe findet am 18. September statt. Das Ma’alot Quintett und Dominique Horwitz präsentieren dann Werke von Samuel Barber, Astor Piazzolla und Felix Mendelssohn-Bartholdy

weitere Informationen: http://www.lindensaalkonzerte.de

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s