Traumwandlerischer Schumann, stürmischer Brahms

Sein aufregendes Bach-Debut liegt knapp zehn Jahre zurück, vor allem mit »Sing, swing & think« ließ David Fray damals aufhorchen. Nicht nur mit Bach, auch mit Boulez; Schubert und Mozart kamen später in Aufnahmen dazu. Solche bringt der Franzose nicht im Halb- oder Jahrestakt heraus, ist weniger präsent als manch auffallend vermarkteter Virtuose. Leiser, freundlicher, charmanter, so präsentierte sich David Fray auch in der Pause des Sonntagskonzertes im Dresdner Albertinum beim Signieren.

Vorangegangen war dem ein traumwandlerisches Klavierkonzert Robert Schumanns, das so zart und innig selten zu hören ist! Dialogisch verschmolz das Klavier mit der Dresdner Philharmonie, bandelte aufs zarteste mit ihr an, David Fray ließ den Steinway singen – das kann kaum einer wie er! Schumanns Konzert enthält einige dieser Dialogstellen, schon weil Themen Solist und Orchester geradezu organisch verbinden, doch hat das Werk zudem viele Passagen, in denen sich Partner etwas zurufen, Rede und Antwort stehen. Da leuchtet die Klarinette im ersten Satz auf, das Horn im dritten – Schlüsselstellen der romantischen Beseelung. Michael Sanderling ist es gelungen, ebenso jene Dialoge mit dem Klavier aufhorchen zu lassen, die sonst leicht im Gesamtklang verschwinden, wie mit der Oboe oder der Flöte – sagenhaft! David Fray wiederum war nicht zuletzt sein eigener Partner und ließ die linke Hand begleitend perlen, daß es eine Freude war.

Einzig den zweiten Satz kostete Michael Sanderling vielleicht ein wenig zu gedehnt aus, doch gleich darauf stürzte sich David Fray mit Brillanz in ein strömendes, atmendes, leichtes Finale. Es schien, als sei zum ersten Mal jeder Zwischenton, den Solist oder Orchester spielen, zu hören gewesen. Auch das Allegro vivace war von Dialogen bestimmt, in denen sich das Klavier mit den Streichern umschlang.

Quasi als Ankündigung für die zweite Konzerthälfte stürmte David Fray mit aller poetischer Wucht durch Johannes Brahms‘ Rhapsodie aus den Klavierstücken Opus 119.

Begonnen hatte der Abend mit Carl Maria von Webers »Euryanthe«-Ouvertüre. In großer Besetzung konnte man gut nachvollziehen, was Wagner daran begeistert hat, der »Sprung« zum Lohengrin war praktisch zu fühlen. Schon hier entwickelte das Orchester eine Verve, die den ganzen Abend anhalten sollte.

Sie trug auch Johannes Brahms‘ zweite Sinfonie, für die Wolfgang Hentrich nun seinen Konzertmeisterstuhl mit Ralf-Carsten Brömsel getauscht hatte. Michael Sanderling ließ Brahms‘ sinfonischer Überreichtum glühen und leuchten, entwickelte im Kopfsatz eine sinnliche Dichte, der im Adagio schattige Beruhigung folgte. Von hier nahm das Werk noch einmal Schwung, war aber manchmal ein wenig gehetzt. Doch der Veranstaltungsort ist nicht unproblematisch, so darf man sich freuen, das Werk im kommenden Juni gleich noch einmal zu hören – im neuen Konzertsaal.

17. Oktober, Wolfram Quellmalz

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