Heinrich Schütz im Herzen

Vocalconsort und Lautten compagney Berlin in der Frauenkirche

Nachdem das Heinrich Schütz Musikfest in den Dresdner Konzerten zuvor die »Frembde« besucht und Berührungspunkte mit ihr aufgezeigt hatte, stand am Donnerstag der Namensgeber Schütz im Zentrum. »Zentrum« meint hier nicht nur die Mitte des Programmablaufes, sondern bezieht sich auch auf die Komponisten. Vor genau 400 Jahren war die Idee zu einer Werksammlung entstanden, die Vertonungen des 116. Psalmes von verschiedenen Autoren enthält. Auch Johann Wolfgang Franck, Johann Hermann Schein und andere waren die Urheber – jeder von Ihnen stand einst mit Heinrich Schütz in Verbindung. Sei es, weil er Schüler, Enkelschüler oder Dresdner Kapellmitglied gewesen ist oder als Kollege mit ihm im Austausch gestanden hatte.

Schon im Vorjahr hatte das Schütz-Fest für ein Konzert in der Frauenkirche einen liturgischen Text in den Mittelpunkt gestellt, damals das Magnificat, das in verschiedenen Vertonungen von La Chapelle Rhénane vorgetragen worden war. Für diesen Jahrgang und das Vocalconsort Berlin sowie die Lautten compagney Berlin hatte Wolfgang Katschner ein sinniges Programm zusammengefaßt, in dem sich die Verse des Psalmes aus unterschiedlichen Werken fügten. Kleine Überschneidungen dienten der harmonischen Anpassung, eingeschobene Lieder vertieften die enthaltenen Gedanken. Doch weniger ein akademisch glaubwürdiges Konzept als eine sinnfällige Vermittlung von Wort und Musik stand hier im Vordergrund, von Beginn an packend vorgetragen durch die Solisten und den Chor des Vocalconsorts.

Die beiden Sopranistinnen Kathleen Danke und Cécile Kempenaers verliehen dem Quintett der Solisten einen strahlend hellen Klang, ohne ihm die Ausgewogenheit zu nehmen. Cécile Kempenaers begeisterte mit glockenhellem Timbre in der Höhe, Kathleen Danke konnte ihrem samtigen Strahlen in tieferen Lagen das lebendig Beben eines weichen Vibratos hinzufügen. Neben der Verständlichkeit der Worte beeindruckte vor allem die Kraft des Gedankens, den die Sänger jederzeit einzuhauchen wußten. Tenor Stephan Gähler vertiefte sich in Johann Nauwachs »Ach Liebste, laß uns allein« in inniges Bitten, aber auch im Trio mit Baß Ralf Grobe und Altus Beat Duddeck in Matthias Weckmanns Motette »Weine nicht« begeisterten die Solisten mit dramaturgischem Geschick.

Dem innerlichen, gedanklichen Gehalt folgend fügte Wolfgang Katschner die beiden Ensemble zu einem harmonischen ganzen, dessen Klang vom Kirchenschiff aus bis in die Kuppel schwebte. Damit ergab sich – ganz ohne aufgesetzten Effekt – eine ergreifende Sinnwirkung der Werke, die meist mit einem gesungenen Wort endeten – gottlob unterbrach kein Zwischenapplaus die Folge. Das in die Vertonung Michael Praetorius‘ eingebettete Konzert offenbarte einen großen Reichtum der Musik. Zwischen innigem Gesang (dann unter der Leitung des Solisten, Wolfgang Katschner führte nur jene Werke, die im Ensemble erklangen) bis zu prächtigen, sogar festlichen Vertonungen reichte die Werkpalette. Die kleine Gruppe der Lautten compagney (u. a. Violine: Georg Kallweil, Zink: Friederike Otto) bereicherte hier mit dem Farbglanz ihrer Instrumente.

14. Oktober 2016, Wolfram Quellmalz

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