Der König tanzt!

Lullys »Phaëton« im Konzert des Sinfoniechores aufgeführt

Er war einer der brillantesten und schillerndsten Komponisten Europas und als Hofkompositeur des »Sonnenkönigs« Louis XIV. unter anderem dafür verantwortlich, dessen musikalische Bedürfnisse zu befriedigen: Jean-Baptiste Lully (1632 bis 1687). Keiner vermochte dem so perfekt zu entsprechen wie er. Und Musik, Theater, Oper, das bedeutete vor allem: Ballett. Das Ballett ist in Frankreich seit jeher tief verankert, nicht nur als eigene Gattung, sondern als Teil der Oper, das ist bis in unsere Tage hinein so. Viele Komponisten haben deshalb später noch Ballettnummern in ihre Werke eingeschoben, selbst ein gewisser Herr Wagner, wobei der dabei (erneut) einen Skandal heraufbeschwor, aber das ist eine andere Geschichte…

Einen Skandal wollte Lully wohl keinesfalls. »Phaëton« sollte unterhalten, ein wenig lehrsam sein, erfreuen, keineswegs anecken. Anzuecken hätte sich auch nicht mit dem Anspruch an Grazie und Eleganz verbinden lassen, welche höfische Etikette wie Tanz sie erfordern. Worum geht es? Um das »Goldene Zeitalter«, das wieder herbeigesehnt wird. Meropos, der König von Ägypten, will seinen Nachfolger bestimmen, der zudem seine Tochter Libye heiraten soll. Libye liebt aber Épaphus – auf den die Wahl nicht fällt. Sie fällt auf Phaëton, der eben noch mit Théone liierte war, diese aber unter den neuen Umständen allzuleicht und pragmatisch aufzugeben bereit scheint. Phaëton soll einen Nachweis seiner Herkunft – er ist der Sohn des Sonnengottes (!) – erbringen, Eifersüchteleien heizen die Situation an. Phaëton, der scheinbar alles gewonnen hat, schwingt sich jedoch zu hoch aufs Roß, in diesem Fall den Sonnenwagen, und stürzt damit ab.

Was einfach nach lustiger Komödie und Variation einer bekannten Geschichte klingt, ist vor allem eines – Theater! Ein musikalisches, heiteres, geistvolles Theater. Und so, wie es der Sinfoniechor, die Batzdorfer Hofkapelle und ihre Solisten am Sonnabend in der Annenkirche aufführten, hatte es Esprit und in höchstem Maße Verve – trotz nur konzertanter Fassung. Nicht unwesentlich dafür war die lebendige Musizierweise der in diesem Bereich sehr erfahrenen Batzdorfer, welche schnell einmal die Instrumente wechselten und Flöten gegen Oboen oder Laute gegen Gitarre tauschten oder gar als Multiperkussionist auftraten wie Thomas Friedlaender (sonst auch gern am Zink).

Mit sonnenklarer Wohldosiertheit konnte der Chor seine Passagen bestreiten, als (verschiedene) Gefolge, Stunden (mit Glöckchenschlägen untermalt). Ein tänzerischer Rhythmus schien hier in allem, nicht erst in einer Passacaglia zu liegen. Für die (leider!) einmalige Aufführung hatte man sich mit Hanna Herfurtner, Constanze Backes und Julla von Landsberg (Soprane), Yosemeh Adjei (Countertenor), Johannes Weiss (Tenor), Ingolf Seidel (Bariton) und Johannes Schmidt (Baß) starker Solisten versichert, unter denen besonders Julla von Landsbergs süßes Liebesschmachten und Johannes Schmidts kerniger Baß hervorstachen. Geschmeidig und mit weichen Konsonanten überzeugte erneut Yosemeh Adjei, während Johannes Weiss’ Phaëton launisch und allzu anpassungswillig schien – geschah ihm also recht!

Jörn Hinnerk Andresen leitete durch die fast drei Stunden und moderierte mit kurzer Inhaltsangabe und Vermittlung die fünf Akte. Den König hätte es sicher auch gefreut!

29. Januar 2017, Wolfram Quellmalz

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