Sehr spätes Weihnachtskonzert

Vocalis Ensemble Dresden feiert Jubiläum

Vor zehn Jahren haben Studenten um Konrad Preuß das Vocalis Ensemble Dresden gegründet, das später von Elena Beer weitergeführt wurde. Martina Stoye wird in diese Aufgabe noch in diesem Jahr übernehmen. Seit 2007 hat sich das Ensemble in Dresden und Umgebung etabliert, begleitet regelmäßig die Kreuzvesper, ist in eigenen Konzerten und mit Besuchen bis hin zum Bachfest Leipzig zu erleben. Auch zwei CD-Aufnahmen zeugen vom künstlerischen Schaffen.

Noch unter dem aktuellen Leiter Vitaly Aleshkevich ist 2016 »Feliz Navidad« herausgekommen, vom Ensemble selbst als »Erfolgsprogramm« bezeichnet, da es in Konzerten mehrfach überzeugen konnte. Doch selbst wenn man berücksichtigt, daß nach dem (katholischen) Kirchenkalender der vierzigtägige Weihnachtsfestkreis tatsächlich erst am 2. Februar schließt, schien das letzte Januarwochenende für ein Weihnachtsprogramm doch reichlich spät. Zumindest der Besucherstrom in die (evangelische) Lukaskirche war am Sonnabend übersichtlich, was aber an der frühen Nachmittagsstunde gelegen haben kann. Für das Sonntagskonzert waren die Voraussetzungen sicher besser.

Das Programm folgte spanischen Liedern und Weisen und solchen, die von Spanien angeregt wurden. Dazu zählten neben traditionellen Motetten Christóbal de Morales‘, Tomás Luis de Victorias und Francisco Guerreros aus dem 16. neue Vertonungen und Bearbeitungen aus dem letzten Jahrhundert. Gustav Gunsenheimer, ein deutscher Kirchenliedkomponist oder Abel di Marco, ein argentinischer Priester, Chorleiter und Komponist haben traditionelle südamerikanische Lieder verarbeitet.

Die acht Sänger des Vocalis Ensembles zeigten sich sicher und waren, wie man vor allem im ruhigen Fluß der Motetten erfahren konnte, aufeinander abgestimmt. Das gemeinsame Atmen, Denken, formt aus einem Ensemble das, was man als einen Klangkörper wahrnimmt, ein feines homogenes Gefüge. Darüber hinaus konnten sie viele der vor allem neueren Kompositionen mit lebhafter Fülle bereichern, durch Rhythmik betonen. Der wohldosierte Einsatz von Blockflöten, Kastagnetten, Tamburin und Klanghölzern geschah mit Bedacht, ohne Übertreibung.

Während vor allen die alten Lieder auf die Polyphonie der Gregorianik aufbaute, die hier mit hohem Gleichmaß zu genießen war, folgten vor allem die den Volksliedern näherstehenden Werke einem Aufbau mit wechselnden Solosängern in den Strophen und einem Refrain des Chores oder einer vokalen Baßbegleitung.

Was sich trotz aller musikalischer Bewunderung dennoch nicht einstellen wollte, war ein Weihnachtszauber, denn die Texte bezogen sich vielfach doch auf den 25. Dezember und nicht (wie in Bachs Weihnachtsoratorium) auch auf die Zeit danach. So schien der letzte Programmpunkt »Nocha de paz« des Komponisten (laut Programm) Adrián A. Cuello Piraquibis seltsam fremd – es war nichts anderes als Franz Xaver Grubers »Stille Nacht« in einer weiteren Bearbeitung und mit spanischem Text.

29. Januar 2017, Wolfram Quellmalz

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