Quartettkunst im Palais im Großen Garten

Schumann Quartett spielte Haydn, Mozart und Beethoven

Zu den Musikfestspielen zählen die Genres verbindende Veranstaltungen ebenso wie ganz klassische. Streichquartette im Palais im Großen Garten zu hören – klassischer geht es kaum. Das Schumann Quartett mit den Brüdern Erik, Ken (Violinen) und Mark Schumann (Violoncello) sowie der Bratschistin Liisa Randalu machte am Donnerstagabend hier Station und eröffnete den Quartettreigen (an gleicher Stelle werden noch Armida und das Cuarteto Casals folgen). Mit Blick auf die Diskographie der vier Musiker war es allerdings ein wenig schade, daß sie in ihr Programm keines der Werke von Charles Ives, Arvo Pärt oder Béla Bartók aufgenommen hatten – wären nicht gerade die Festspiele für eine solch spannende Gegenüberstellung perfekt gewesen?

Joseph Haydn als einer der »Väter« des Quartetts steht für gewöhnlich zu Beginn eines Konzertes, war und ist Ausgangs- und Bezugspunkt. Opus 33 Nr. 2 in Es-Dur (»Der Scherz«) war denn auch an diesem Abend eine passende Eröffnung. Die Ausgewogenheit der Stimmen und ihre Durchdringung sind zu Haydns Zeit noch neu gewesen, doch ließ der Komponist keinerlei Schwere oder Strenge aufkommen, sondern gab dem Werk einen heiteren, geistvollen Duktus mit. Die Interpretation des Schumann Quartetts war davon erfüllt, stellte die Ausgewogenheit heraus, frei von überspitzten Effekten. Der Beginn des dritten Satzes, den Viola und Cello zunächst als Duett anstimmen, erklang sonnig, ganz ohne Wehmut. So gehörte den vier Musikern die Aufmerksamkeit des Publikums, die sich vom vorgetäuschten Schluß (dem »Scherz«) nicht überraschen ließen.

Für Wolfgang Amadeus Mozart war Joseph Haydn nicht nur Förderer und Freund, sondern – gerade mit seinem Opus 33 – ein Vorbild, an dem er sich orientierte. Sein Quartett G-Dur (»Frühlingsquartett«) ist noch vermeintlich nah an Haydn und enthält ebenso einen »Scherz«: nach dem vermeintlichen Schlußakkord und einer kleinen Pause erst folgt die eigentliche Grußformel. Gleichwohl hat Mozart das Quartett bereits weiterentwickelt, es ist weniger unbefangen. Das Schumann Quartett leitete zwar im heiteren Charakter von Haydn über, an Gediegenheit fehlte es allerdings noch.

Packend geriet dafür Beethovens erstes der drei »Rasumowsky-Quartette«. Den energischen Impetus des Wiener Klassikers wußten das Quartett mit großer Intensität und Kontrastschärfe zu beschwören, ließ auf ein schwebendes Allegretto ein bedachtsames Adagio folgen, um im abschließenden »Thème russe« den energischen Ton des ersten Satzes wieder aufzunehmen.

Anders als in den meisten anderen Fällen hatte sich das Schumann Quartett mit der Viola rechts außen aufgestellt (wo sonst meist der Cellist sitzt). Damit kamen gerade jene Passagen besonders zur Geltung, welche die Viola bevorzugten. Mozarts, der selbst gern Viola spielte, hatte ihrer Stimme auch in seinem letzten Streichquartett (KV 590) wesentliche Gesangsanteile zugeschrieben. Diese konnte man in der Zugabe (Menuett) noch einmal erleben.

26. Mai 2017, Wolfram Quellmalz

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